Mund, Zähne und Kiefer

Amalgam-Verbot für Schwangere und Kinder!

Jetzt geht es der früheren Zahnfüllung Nummer eins an den Kragen. Heute ist ein EU- Gesetz in Kraft getreten, das die Legierung für besonders anfällige Menschen verbietet.

01.07.2018
Kunststoff- und Keramik-Füllungen sind nicht gefährlich.  Foto: Fotolia / Blickfang

Amalgam, das einstmals beliebteste Füllmaterial für löchrige Zähne, stand schon lange in der Kritik. Grund ist sein 50-prozentiger Anteil an Quecksilber, ein krankmachendes Nervengift. Nun tritt zum 1. Juli 2018 ein Gesetz der EU-Kommission in Kraft, das die Verwendung von Amalgam bei Kindern, schwangeren und stillenden Frauen verbietet, um speziell diese sensible Gruppe vor einer erhöhten Belastung mit Quecksilber zu schützen. Doch wie bekommt man alte Füllungen sicher wieder aus dem Mund? Dr. Stephan Ziegler, leitender Zahnarzt und Gründer der KU64-Zahnarztpraxis aus Berlin klärt auf.

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Bedenkliches Füllmaterial

Amalgam ist eine Legierung aus verschiedenen Metallen, wie Silber, Zinn, Kupfer und eben auch Quecksilber. Die Partikel und Dämpfe dieses giftigen Schwermetalls wirken sich schädlich auf die Gesundheit aus. Befürworter einer Füllung mit diesem kostengünstigen Material loben die einfache Verarbeitung und hohe Haltbarkeit von ungefähr zehn Jahren. Doch das enthaltene Quecksilber steht im Verdacht, Kopf- und Kieferschmerzen, Muskelkrämpfe und ein andauerndes Müdigkeitsgefühl auszulösen sowie das Immunsystem zu schwächen.
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die vollen Kosten bisher nur für eine Füllung mit Amalgam, während die Kosten für andere Materialien wie zum Beispiel Kunststoff oder Keramik zum Teil von den Patienten selbst getragen werden müssen. Die vom neuen Gesetz betroffenen Personengruppen bekommen nur eine einfache Kunststofffüllung von den Krankenkassen bezahlt.

Sichere Entfernung

Wer schadhafte oder abgenutzte Füllungen aus Amalgam besitzt oder an einer Unverträglichkeit leidet, kann sich das Material von seinem Zahnarzt ersetzen lassen. Wenn ein Allergologe eine Amalgamintoleranz nachgewiesen hat, zahlen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für eine einfache Kunststofffüllung. Intakte Füllungen können ohne Allergienachweis nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen ersetzt werden.
Die größten Belastungen durch Quecksilber gibt es beim Legen und beim Entfernen von Amalgamfüllungen. Deshalb gilt es, bei dem Eingriff einige Dinge zu beachten. „Um Patienten vor dem giftigen Stoff zu schützen, ist es unverzichtbar einen Kofferdam zu nutzen. Dabei handelt es sich um ein Spanngummi, das den Zahn vom restlichen Gebiss isoliert“, erklärt Dr. Ziegler. Damit Patienten während der Behandlung keine Quecksilberdämpfe einatmen, erhalten sie Sauerstoff über eine Nasensonde. Auch der Zahnarzt schützt sich mit einer Maske vor den Dämpfen. Spezielle Bohrer mit niedriger Drehzahl sorgen zusätzlich dafür, dass die alten Füllungen weniger Quecksilber freisetzen. Nach erfolgreicher Entfernung des Amalgams verschließt der Zahnarzt die Defekte mit verträglicheren Materialien wie Keramik oder Kunststoff.

Körper entgiften

Da der Körper Schwermetalle wie Quecksilber speichert, bieten manche Ärzte im Anschluss an die Behandlung eine sogenannte Chelat-Therapie zur Ausleitung an. Bei dieser Zusatzleistung werden Medikamente eingesetzt, die die Ausscheidung der im Körper gespeicherten Schwermetalle beschleunigen. Doch nicht nur die Schwermetalle werden auf diese Weise aus dem Körper geschwemmt, sondern auch wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente. Deshalb sollte diese Behandlung immer nur in Absprache mit einem Mediziner stattfinden. (Dr. Stefan Ziegler/red)