Kinder und Familie

Tics nerven, wachsen sich aber meist aus

Für die Kinder sind sie eine Katastrophe, doch meist verschwinden die Störungen im Erwachsenenalter wieder. Experten raten trotzdem dazu, offen mit den Lehrern darüber zu sprechen.

28.12.2017
Nicht wenige Kinder werden wegen ihrer Tics von anderen gemobbt.  Foto: Fotolia / S. Kobold

Häufiges Blinzeln, Schultern zucken oder Schniefen – das ist mehr als eine komische Angewohnheit. Vielmehr steckt ein echtes Krankheitsbild dahinter, die sogenannte Tic-Störung. Die gute Nachricht: Etwa 50 Prozent der Kinder mit Tics sind diese bis zum 18. Lebensjahr wieder los, bei anderen nimmt zumindest die Intensität im Laufe der Jahre deutlich ab.
Es gibt motorische – also bewegungsbezogene – Tics und solche, die sich vokalisch äußern, manchmal sogar als Bellen und Grunzen. Zuckende Augenlider oder Mundwinkel haben dagegen nichts mit einer Tic-Störung zu tun.

Anzeige

Aufklärung ist wichtig

Tics sind häufiger als gedacht. Bis zu 15 Prozent aller Grundschulkinder sind zumindest vorübergehend davon betroffen, meist zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr. Danach kommt es zu einer spürbaren Verbesserung. Chronische oder besonders schwere Verläufe, bei denen komplexe motorische und vokalische Tics in Kombination auftreten, sind selten. „Eine Tic-Störung in diesem Alter ist kein Weltuntergang und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Problem ausschleicht, sehr hoch“, sagt Dr. Angela Smith, leitende Ärztin der AOK Hessen. „Wichtig ist vor allem, dass eine frühzeitige Diagnose gestellt wird.“ Zentral ist deshalb vor allem die Aufklärung und Beratung aller Beteiligten über das Krankheitsbild. „Dazu gehört auch, Lehrer, Mitschüler und andere Bezugspersonen frühzeitig mit ins Boot zu holen und zu informieren“, sagt Smith. So können alle Beteiligten lernen, mit der Erkrankung besser umzugehen. Denn eine Therapie dagegen gibt es bislang nicht.

Ursachen im Dunkeln

Die Ursachen von Tic-Störungen sind nach wie vor unge klärt. Zwar gibt es familiäre Häufungen, sodass eine genetische Veranlagung angenommen wird. Auch weiß man, dass bestimmte Infektionen, insbesondere mit Streptokokken, Tics auslösen können. Insgesamt jedoch steht die Wissenschaft noch am Anfang.
Die ursachenbezogene Bekämpfung der Erkrankung ist deshalb noch nicht möglich. Deshalb wird symptomatisch behandelt, etwa durch antipsychotisch wirkende Arzneimittel, welche die Tics für einige Tage unterdrücken können. Allerdings ist die Studienlage hier noch so mangelhaft, dass selbst die Deutsche Gesellschaft für Neurologie keine eindeutigen Therapieempfehlungen abgibt. (red)