Kinder und Familie

Richtiges Tragen hält Babys Hüfte lange fit

Den Nachwuchs auf dem Rücken zu tragen, ist vor allem im Frühjahr und Sommer beliebt. Wer das richtig macht, verhilft seinen Kindern zu einer gesunden Hüfte - bis ins hohe Alter.

10.08.2018
Die richtige Trageposition hält die Kinderhüften bis ins Alter fit.   Foto: AdobeStock / nd3000 Die richtige Trageposition hält die Kinderhüften bis ins Alter fit. Foto: AdobeStock / nd3000

Babys werden von ihren Eltern gerne am Körper getragen, um ihnen ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Richtig getragen, wird auch die gesunde Ausbildung der Babyhüfte gefördert. Dabei werden die Beine des Säuglings auseinandergespreizt und die Knie befinden sich angewinkelt auf Nabelhöhe. Diese Anhock-Spreiz-Stellung der Hüften entspricht auch der natürlichen Stellung im Mutterleib. Die Oberschenkelknochen wirken in dieser Haltung mit ihren Hüftköpfen optimal auf die Hüftpfannen ein. Richtig gebundene Tragetücher und ausgewählte Tragehilfen unterstützen diese hüftfreundliche Haltung.

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Schmerzfrei leben im Alter

„Eine gesunde Hüfte im Kindesalter ist die Grundlage für ein schmerzfreies Leben im Alter“, sagt Prof. Dr. Dr. Werner Siebert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und Ärztlicher Direktor der Vitos Orthopädische Klinik Kassel.
Der Hintergrund: Nach der Geburt ist die Kinderhüfte noch nicht fertig, sondern großenteils nur knorpelig vorgebildet. Sie ist deshalb in den ersten sechs Lebensmonaten sehr empfindlich. Bis zum Laufbeginn mit 18 Monaten ist sie sehr formbar. Bildet sich die Hüfte nicht richtig aus, dann liegt eine sogenannte Hüftdysplasie vor: Hüftkopf und -pfanne passen nicht optimal zusammen. Dabei wird der Hüftkopf nur zum Teil von der Pfanne überdacht – und nicht wie normalerweise in seiner gesamten Breite. In seltenen Fällen ist die Pfanne so schlecht entwickelt, dass sie den Hüftkopf nicht halten kann. Es kommt zur sogenannten Hüftluxation: Die Hüfte renkt aus.

Streckstellung schadet eher

Das Tragen der Kinder in der Anhock-Spreiz-Stellung unterstützt die ordentliche Ausreifung der empfindlichen Babyhüfte. Umgekehrt kann das Tragen in Streckstellung mit zusammengedrückten Beinen die Hüftentwicklung verzögern und ihr schaden. „Bei gestreckten Oberschenkeln wird die Pfanne an ihrer empfindlichsten und schwächsten Stelle belastet. Der knorpelige Anteil der unreifen Pfanne gibt nach. Sie wird verformt und dysplastisch“, sagt Professor Robert Rödl, 1. Vorsitzender der DGOU-Sektion „Vereinigung für Kinderorthopädie“ und Chefarzt der Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie am Uni-Klinikum Münster.

Regelmäßig zur Untersuchung

Deshalb muss die Entwicklung der Hüfte unbedingt beobachtet werden. Entscheidend sind die rechtzeitigen U-Untersuchungen des „Gelben Heftes“. Dabei werden die Hüften von Kindern mit Risikofaktoren bereits bei der U2 innerhalb des dritten bis zehnten Lebenstages schonend mit Ultraschall untersucht. Alle anderen Kinder erhalten den Hüft-Ultraschall bei der U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche. Die Hüftsonographie zeigt an, ob eine Therapie nötig ist, bevor unwiederbringliche Schäden entstanden sind. Bei einer rechtzeitig erkannten Hüftdysplasie erfolgt die Therapie konservativ, also nicht-operativ: Das Tragetuch reicht dann aber nicht mehr aus – es kommen Schienen und Gipshosen zur Anwendung, die 24 Stunden am Tag wirken. (red)