Kinder und Familie

Kinder mit Krebs - Nachsorge wichtig

Die Erkrankung wird oft geheilt. Doch an den Spätfolgen können die Kleinsten noch lange leiden. Deshalb plädieren Fachärzte für eine gute, langfristige Überwachung.

03.06.2019
Kinder brauchen nach überstandener Tumorerkrankung eine ganzheitliche Betreuung.   Foto: AdobeStock / Frantab Kinder brauchen nach überstandener Tumorerkrankung eine ganzheitliche Betreuung. Foto: AdobeStock / Frantab

Kaum ein Thema berührt Eltern und Außenstehende so sehr, wie eine potenziell todbringende Erkrankung bei einem Kind. Die gute Nachricht ist: Rund 80 Prozent davon werden geheilt. Und auch die Überlebensrate nach schweren Fällen hat dank präziser Molekulardiagnostik und immunologischer Therapien, wie die der Checkpoint-Inhibitoren, deutlich zugenommen. Die schlechte Nachricht: Die erfolgreiche Behandlung schließt Langzeitfolgen nicht immer aus, sodass sich ehemalige Patienten der Kinderonkologie als junge Erwachsene erneut mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert sehen. Dazu gehören zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für Zweittumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Störungen im Hormonhaushalt. Auch der Weg zu einem eigenen Kind ist durch eine Tumorerkrankung und -Therapie oft ungleich schwerer.

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Geheilt – und trotzdem krank?

Je länger eine Krebsbehandlung zurückliegt, desto mehr Langzeitüberlebende sind von einer oder mehreren chronischen Erkrankungen betroffen: 30 Jahre nach erfolgreicher Krebsbehandlung leiden mehr als zwei Drittel der Patienten an chronischen Erkrankungen, und bis zu 50 Prozent der Menschen, die in der Kindheit an Krebs erkrankten, sind von Spätfolgen im Drüsen- und Hormonsystem betroffen.
Wesentlich für die bestmögliche Lebensqualität ist die frühe Diagnose und Behandlung von Spätfolgen der Krebsbehandlung, die in der Regel im Frühstadium gut behandelt werden können. Stefanie Braun, Pädagogin in der Kinderonkologie der Uniklinik Lübeck, weist auf eine weitere Herausforderung hin: „Die Behandlung von Kinderkrebserkrankungen ist trotz aller Fortschritte immer noch eine sehr hohe Belastung für die Kinder und ihre Familien, medizinisch wie psychisch und sozial. Wir brauchen hier eine qualitativ hochwertige und ganzheitliche Betreuung über die Fachdisziplinen hinweg, die die Kinder individuell und lückenlos durch das Erwachsenwerden begleitet!“

Strukturen für die Nachsorge

Auch Prof. Dr. Dominik Schneider, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), sieht den geregelten Übergang von der Krebstherapie im Kindesalter bis in die Versorgung der Spätfolgen im Erwachsenenalter als unverzichtbar für eine gute Versorgung: „Bei Kindern und Jugendlichen gilt es in ganz besonderem Maße, nicht nur die Lebensqualität während der Therapie, sondern auch die Qualität des Überlebens im Blick zu behalten.“
Die Langzeitnachsorge könnten spezifische Nachsorgezentren übernehmen. Der Ausbau dieses Angebots der geförderten Pilotzentren ist daher ein großer Schritt hin zu einer kompetenten und erfolgversprechenden Langzeitnachsorge. (red)