Herz und Kreislauf

Neuer Mikro-Chip gegen Herzschwäche

Ein winziges Implantat hilft, gefährlichen Bluthochdruck per Knopfdruck vom Arzt überwachen zu lassen und dadurch eine Herzschwäche früher zu erkennen.

19.07.2017
Herzpatienten sollten regelmäßig zum Facharzt.   Foto: AdobeStock_rangizzz

Ein winziger Sensor, mit dem sich der Blutdruck bei Herzschwäche-Patienten aus der Ferne kontrollieren lässt? Das ist keine Zukunftsmusik mehr. Tatsächlich gibt es bereits ein Mini-Implantat, das bei drohender Herzschwäche den Arzt automatisch per Handy alarmiert. Der Sensor wird in die Lungenschlagader implantiert. Mit ihm misst der Patient einmal täglich den Blutdruck sehr nahe am Herzen und überträgt die Werte per Handy an das Behandlungszentrum. Steigt der Druck, kann das der Vorbote einer akuten, lebensgefährlichen Herzschwäche sein. Noch bevor Symptome auftreten, können die behandelnden Ärzte aus der Ferne die Therapie so anpassen, dass der Blutdruck wieder fällt.

Anzeige

Folgeschäden vermeiden

„Für die Patienten bedeutet das neue Herz-Überwachungssystem einen enormen Gewinn an Lebensqualität und auch an Lebenszeit“, sagt Prof. Dr. Andreas Zirlik, Stellvertreter des Ärztlichen Direktors an der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg/ Bad Krozingen. „Das System schlägt Alarm, noch bevor die Patienten Symptome bemerken.“ Dadurch können im besten Fall ein Krankenhausaufenthalt und Folgeschäden an Herz und Nieren vermieden werden, die wiederum das Sterberisiko erhöhen. Geeignet ist das System für Patienten, die in den letzten zwölf Monaten wegen Herzschwäche im Krankenhaus waren und der Herzinsuffizienzklasse III gemäß der Klassifizierung der New York Heart Association (NYHA) angehören.

Schmerzfreies Messen

Der büroklammergroße Sensor funktioniert ein Leben lang, man benötigt keine Batterien. Für die tägliche Messung legt man sich auf ein spezielles Kissen. Dieses regt den Sensor über magnetische Wellen an und empfängt dann die Messwerte. Das Ganze ist schmerzfrei und dauert nur wenige Sekunden.
Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Typische Anzeichen sind Atemnot bei leichter körperlicher Belastung wie Treppensteigen, später, im schwersten Stadium (Dekompensation) kommt es auch ohne Belastung zu Müdigkeit und Atemnot, zu Schwellungen der Beine und der Leber.
Bei einer Herzinsuffizienz reicht die Pumpleistung des Herzens nicht mehr aus, um den Blut- und Sauerstoffbedarf des Körpers zu decken. Unbehandelt kann das zum Herzstillstand führen. (red)