Herz und Kreislauf

Herzklappen aus Eigengewebe

Mit einer neuen Methode können Ärzte Herzklappen aus körpereigenem Gewebe vollständig wiederherstellen. Das hat viele Vorteile, vor allem für junge Patienten.

15.11.2017
Wissenschaftler forschen immer weiter für die Verbesserung der Klappen-OP.   Foto: Adobe Stock/Cherries

Das Herz pumpt ständig sauerstoffreiches Blut aus der Lunge durch die Aorta (Hauptschlagader) in den Körper. Die Aortenklappe dient dabei als Sicherheitsventil: Sie sorgt dafür, dass das Blut nicht wieder in die Herzkammer zurückfließt.
Die Klappe besteht aus drei Taschen, die an einem Ring (Klappenring) befestigt sind. Haben Patienten einen angeborenen Fehler, eine Infektion an der Herzklappe oder eine Einengung, kann sie nicht mehr zuverlässig arbeiten und muss ausgetauscht werden.

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Längere Lebensdauer

Nun gibt es eine neue Operationsmethode. „Dabei wird eine neue Klappe aus körpereigenem Gewebe geformt. Viele bisherige Probleme können damit umgangen werden – vor allem für Kinder und junge Patienten ist das ein Vorteil“, erklärt Prof. Dr. Rüdiger Lange, Professor für Herz- und Gefäßchirurgie an der Technischen Universität München.
Bisher erhalten Patienten entweder eine künstliche Klappe aus Titan oder eine biologische Spenderklappe von Rindern oder Schweinen. Beide Methoden bergen aber Nachteile: Bei der Metallklappe muss der Patient lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, damit keine Blutgerinnsel am Implantat entstehen. Dazu haben Rinder- oder Schweineklappen nur eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren und müssen danach ersetzt werden. Bei Kindern und jungen Erwachsenen mit angeborenem Klappenfehler kann aufgrund der vermehrten mechanischen Beanspruchung die Haltbarkeit noch deutlich kürzer ausfallen.
Von der neuen Methode, die von dem Japaner Prof. Shigeyuki Ozaki entwickelt wurde, versprechen sich die Forscher eine deutlich längere Haltbarkeit. „Die Klappe wird am natürlichen Klappenring des Patienten aufgebaut“, erklärt Dr. Markus Krane, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München. „Wir brauchen deshalb keinen künstlichen Prothesenring, der fest und unbeweglich ist. Damit bleiben die natürlichen mechanischen Eigenschaften einer Herzklappe weitestgehend erhalten. Zudem ist die Einnahme von Gerinnungshemmern nach der Operation nicht mehr nötig.“

Alte Aortenklappe als Schablone

Bei der Ozaki-Methode wird die alte, defekte Aortenklappe zuerst vollständig entfernt und der natürliche Aortenklappenring gereinigt. Da die menschliche Aortenklappe aus drei Taschen besteht, müssen auch diese drei Elemente aus dem Herzbeutel des Patienten wieder nachgebildet werden. Dafür wird ein entsprechend großes Stück aus dem Herzbeutel des Patienten entnommen, das als neues Material für die Klappe verwendet wird. Das ist unproblematisch, da diese Stelle am Ende der Operation mit einem Stück Kunstperikard verschlossen wird.
Da jeder Patient eine individuelle Klappengröße hat, vermessen die Ärzte anschließend die alten Klappentaschen und schneiden mithilfe einer Schablone die neuen Taschen aus dem entnommenen Herzbeutel. Anschließend werden die neuen Taschne im Herzen des Patienten am natürlichen Klappenring angenäht.
Die klinische Studie an über 100 Patienten läuft aber noch bis 2019. Sie soll zeigen, ob die neue Methode tatsächlich bessere Eigenschaften hat im Vergleich zum konventionellen Ersatz der Klappe durch eine künstliche Prothese. (red)

So funktionieren die Herzklappen

Das Herz hat die Aufgabe, sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen. Damit das gelingen kann, gibt es insgesamt vier Herzklappen, die wie Schleusen funktionieren.
Die Segelklappen befinden sich jeweils zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Kammer sowie dem linken Vorhof und der linken Herzkammer (Mitralklappe). Diese „AV-Klappen“ sorgen dafür, dass das Blut während einer Systole von der Kammer zurück in den Vorhof fließt. Die „Taschenklappen“ (Aorten- und Pulmonalklappe) verhindern, dass das Blut von den Gefäßen wieder zurück in die Kammern fließt.