Haut, Haare und Ästhetik

Sensor-Pflaster unterstützt die Wundheilung

Schlecht heilende Wunden sind gefährlich. Eine Wundauflage mit einem Sensor soll künftig dabei helfen, die Problemfelder von außen zu überwachen.

03.09.2018
Nicht jede Wunde heilt problemlos zu.   Fotot: Fotolia / dziewul Nicht jede Wunde heilt problemlos zu. Fotot: Fotolia / dziewul

Diabetes mellitus – die „Zuckerkrankheit“ –, Wundliegen (Dekubitus) oder „Raucherbeine“ erhöhen das Risiko für Durchblutungsstörungen, die das Abheilen einer Wunde erschweren. Chronische Wunden sind die Folge.
In der Regel muss das Pflegepersonal den Wundverband regelmäßig wechseln, aus hygienischen Gründen und auch, um die Wunde zu untersuchen, Abstriche zu nehmen und sie zu reinigen.
Das Problem: Die Haut wird auf diese Weise nicht nur unnötig irritiert, sondern es können sich auch Bakterien in der Wunde ansiedeln – ein Risiko für Infektionen. Besser wäre es, der Verband bliebe länger auf der Haut und die Pflegenden könnten den Zustand der Wunde von außen ablesen.

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Weniger Verbandswechsel

Eine neuartige Wundauflage könnte diese Idealbedingungen erfüllen. Sie warnt das Pflegepersonal, sobald eine Wunde schlecht verheilt – ohne dass dafür der Verband entfernt werden muss. Sensoren, die im Trägermaterial eingebaut sind, ändern die Intensität ihrer Fluoreszenz, sobald sich der pH-Wert der Wunde verändert.
Die Idee dieses Fluritex-Projekts: Treten in der Wundflüssigkeit bestimmte Substanzen auf, so reagieren „maßgeschneiderte“ fluoreszierende Sensor-Moleküle mit einem physikalischen Signal. Sie beginnen zu leuchten, und manche ändern sogar ihre Farbe im sichtbaren oder im Ultraviolett-Bereich. Dank einer Farbskala kann man schwächere und stärkere Farbveränderungen interpretieren und daraus ableiten, wie groß die Menge der abgegebenen Substanzen ist.
Luciano Boesel, der Projektleiter der Empa-Abteilung, die das Projekt zusammen mit anderen Forschern aus der Schweiz vorantreibt, erklärt: „Ein smarter Wundverband mit eingebauten Sensoren soll dereinst fortlaufend Aufschluss über den Stand des Wundheilprozesses geben – so muss der Verband nicht häufiger gewechselt werden als nötig.“ Das würde die Behandlung für die Patienten verbessern und den Pflegeaufwand reduzieren.

Wundheilung in Phasen

Der Hintergrund: Wenn Wunden heilen, produziert der Körper spezifische Substanzen in einer komplexen Abfolge verschiedener biochemischer Prozesse. Je nach Phase steigt oder fällt etwa die Menge an Glukose und Sauerstoff. Auch der pH-Wert verändert sich. All diese Substanzen lassen sich mit speziellen Sensoren nachweisen. Dazu entwickelt der Projektpartner CSEM ein Fluoreszenz-Messgerät, das mehrere Parameter gleichzeitig überwachen kann. Es soll gleichzeitig den pH-Wert, den Glukose- und den Sauerstoffspiegel während der Wundheilung im Auge behalten. Weitere Auswertungen, etwa zur Verträglichkeit mit Zellen und Geweben, fehlen jedoch noch. Wie ihr Sensor in einer komplexen Wunde funktioniert, wissen die ForscherInnen daher nicht. (red)