Gehirn, Psyche und Verhalten

Reden über Depressionen

Betroffene befinden sich nicht in einem Formtief. Sie sind ernsthaft krank. Unbehandelt verläuft eine Depression schwerer und kann sogar tödlich enden. Es ist Zeit, das Schweigen darüber zu brechen.

11.07.2017
Angehörige sollten über Depressionen reden lernen.  Foto: Fotolia_andreaskrone

Einfach nur müde, anteilslos und traurig oder doch depressiv? Etwa bei jedem dritten Erwachsenen hierzulande kommt es pro Jahr zu einer psychischen Erkrankung. Depressionen stehen hier ganz oben. Rund 5,3 Millionen Menschen sind von Depressionen betroffen, darunter zunehmend auch jüngere. „Die gute Nachricht ist, dass Depressionen von Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten meist erfolgreich behandelt werden können. Voraussetzung ist aber, dass den Betroffenen die Angst vor einem Arztbesuch genommen wird“, sagte Dr. Ulrich Clever, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg und Vorstandsbeauftragter der Bundesärztekammer für ärztliche Psychotherapie, im Vorfeld des diesjährigen Weltgesundheitstages Anfang April zum Thema Depression.

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Keine Schuldfrage

Doch Betroffene scheuten sich oft, aus Scham und Angst vor Stigmatisierung professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, so Clever. Patienten sowie ihr soziales Umfeld müssten wissen, dass eine Depression genau wie eine körperliche Erkrankung keine Frage von Schuld sei. Er verwies auf das Motto des diesjährigen Weltgesundheitstages: „Depression – let´s talk“ und betonte, dass sich häufig erst in einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung ergäben. Hinzu komme, dass psychisch kranken Menschen nach wie vor eine mühsame und zeitraubende Suche nach einem niedergelassenen Psychotherapeuten zugemutet würde. Die neu eingeführten psychotherapeutischen Sprechstunden und Akutbehandlungen sollen die Lage etwas entspannen. „Sie können dazu beitragen, die Patientenströme zu kanalisieren. Wunder sollte man sich davon jedoch nicht erwarten“, betonte der Präsident der Landesärztekammer. Er stellte klar, dass die meisten psychischen Erkrankungen gut behandelbar seien, aber auch behandelt werden müssen. Andernfalls drohten Chronifizierungen und schwere Verläufe.

Symptome richtig deuten

Zu den klassischen Symptomen eine Depression zählen eine gedrückte, depressive Stimmung, Freudlosigkeit und Desinteresse an Hobbys oder sozialen Kontakten, Antriebsmangel und schnelle Ermüdbarkeit. Dazu gelten auch mangelnde Aufmerksamkeit und Konzentration als mögliche Anzeigen. Wichtig: Auch körperliche Symptome können eine Depression begleiten. Dazu gehören Magen-Darm-Probleme, Schwindel, Schmerzen und Luftnot.
Wer dazu noch oft an sich selbst zweifelt, sich wertlos oder schuldig fühlt, übertriebene Zukunftsängste hat und unter Schlafstörungen und Appetitlosigkeit leidet, sollte sich ärztlichen oder therapeutischen Rat holen.(red)