Gehirn, Psyche und Verhalten

Neue Therapien bei Hirntumoren

Die Diagnose Gehirntumor ist für alle Patienten ein Schock, gilt eine OP in der „Denkfabrik“ doch nach wie vor als brisant. Neue Diagnose- und Therapieverfahren machen jedoch Mut.

21.06.2017
Noch längst sind nicht alle Geheimnisse des Gehirns erforscht.   Foto: AdobeStock_monsitj

Statistisch gesehen erkranken täglich über 700 Menschen weltweit an einem Gehirntumor. Im Vergleich zu anderen Krebsarten tritt dieser zwar seltener auf, zählt aber zu den schwerwiegendsten. Die Diagnose bedeutet für die Betroffenen meist einen großen Einschnitt im Leben. Doch hat die Forschung hier große Fortschritte in Diagnose und Therapie gemacht.

Gesundes Gewebe schonen

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In der Neurochirurgie kommt zum Beispiel eine neue Methode zum Einsatz, bei der der Hirntumor während einer Operation noch präziser entfernt werden kann. Dem Patienten wird dabei während der Operation ein fluoreszierender Farbstoff verabreicht. Dieser reichert sich im Tumorgewebe an und lässt es unter Betrachtung durch ein spezielles OP-Mikroskop gelb leuchten. Es erfolgt so nicht nur eine genauere Abgrenzung des kranken Gewebes, so dass der Tumor effektiv entfernt werden kann, sondern gesundes Gewebe wird geschont. „Dank der modernen Behandlungsmethoden sind die durchschnittliche Überlebensdauer und die rezidivfreie Zeit für Patienten, die bei uns im ZHT behandelt werden, um drei bis vier Monate gestiegen“, erläutert Professor Dr. Alexander Brawanski, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des UKR und Sprecher des Zentrums für Hirntumoren.

Metastasen gezielt behandeln

Neben dem ursprünglichen Tumor – dem sogenannten Primärtumor – bilden sich bei einer Krebserkrankung oftmals auch Metastasen. Das sind Tochtergeschwülste beziehungsweise Absiedlungen des eigentlichen Tumors in einem anderen Gewebe, die eine spezifische Behandlung erfordern. Dank verstärkter Forschung im Bereich der Hirnmetastasen haben die Ärzte heute wesentlich mehr Kenntnisse über die speziellen Tumorzellen und können sie gezielter behandeln. In seinem Vortrag bei der Patienteninformationsveranstaltung erklärt Professor Dr. Tobias Pukrop, Leiter des Interdisziplinären Centrums für medikamentöse Tumortherapie (ICT) des UKR, wie Metastasen heute mit verbesserten systemtherapeutischen Optionen besser behandelt werden können.

Schnelle Diagnose möglich

Um die Art des Hirntumors genau bestimmen und daraus die richtige Behandlung ableiten zu können, kommt dem Fachbereich der Neuropathologie eine bedeutende Rolle im interdisziplinären Behandlungskonzept des UKR zu. So kann die Abteilung für Neuropathologie unter der Leitung von Professor Dr. Markus J. Riemenschneider direkt vor Ort umfassende molekulargenetische Untersuchungen vornehmen, wovon der Patient unmittelbar profitiert. Neben einer schnellen Diagnose und raschem Therapiebeginn können auch während der Behandlungen neuropathologische Untersuchungen bezüglich der Wirksamkeit der Therapie vorgenommen und bei Bedarf unmittelbar Anpassungen im Behandlungskonzept vorgenommen werden. (red)

Veranstaltungstipp:

Um die Erkrankung, ihre Patienten und die Forschung stärker in die Öffentlichkeit zu rücken, veranstaltet die Deutsche Hirntumorhilfe jedes Jahr im Juni in Kooperation mit der International Brain Tumor Alliance (IBTA) einen Welthirntumortag. Im Rahmen dessen informiert das Zentrum für Hirntumoren (ZHT) des Universitätsklinikums Regensburg am Samstag, dem 24. Juni 2017, von 10:00 bis 13:00 Uhr im Café Hotel Goldenes Kreuz in Regensburg alle Betroffenen, Angehörigen und Interessierten über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Hirntumortherapie und neue Möglichkeiten der Studienteilnahme.