Gehirn, Psyche und Verhalten

Molekül steuert sexuelle Motivation

Das Geheimnis der Anziehungskraft zwischen zwei Menschen ist noch nicht restlos gelüftet. Nun sind die Wissenschaftler wieder einen Schritt weiter.

04.06.2018
Magisch: Duftstoffe regen die Nervenzellen an, Moleküle zu produzieren, die wiederum Botschaften der Lust versenden.    Foto: Adobe Stock / onlymag

Anziehung, Lust und sogar der Eisprung – all das wird offenbar durch ein einziges, winziges Molekül ausgelöst: das „Kisspeptin“. Eine aktuelle Studie der Universität Lüttich in Belgien zeigte, dass das Gehirn über dieses Signalmolekül die Außenwelt entschlüsselt und in ein entsprechendes Verhalten umsetzt.
Bislang war bekannt, dass bei vielen Tieren das Sexualverhalten eng mit dem Eisprung verbunden ist. Denn dadurch erhöht sich die Chance auf Nachwuchs – und damit das Fortbestehen der Art – beträchtlich. Doch wie Eisprung, Anziehung und Sex zusammenhängen, war indes unklar. „Jetzt wissen wir, dass ein einzelnes Molekül – das Kisspeptin – all diese Aspekte durch verschiedene, parallel zueinander laufende Gehirn-Schaltkreise steuert“, sagt Ulrich Boehm, Professor für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität des Saarlandes.
Im Tiermodell mit Mäusen konnten die Forscher beobachten, dass das Kisspeptin bei Weibchen sowohl die Anziehung zum anderen Geschlecht als auch das sexuelle Verlangen steuert. Sie entdeckten auch, dass bestimmte, von den Männchen ausgesendete Duftstoffe speziell die Nervenzellen stimulieren, die das Kisspeptin produzieren. Hierdurch wird ein Schaltkreis im Gehirn aktiviert, der ein Neurohormon freisetzt und damit die Aufmerksamkeit des Weibchens für das Männchen erhöht. In einem parallelen Schaltkreis wird das Kisspeptin-Signal auch an Zellen übertragen, die den Neurotransmitter Stickstoffmonoxid produzieren, um die sexuelle Bereitschaft zu stimulieren.
Diese Erkenntnis eröffnet neue, vielversprechende Möglichkeiten für die Behandlung von Patienten mit psychosexuellen Störungen, wie zum Beispiel der sexuellen Unlust. (red)

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