Gehirn, Psyche und Verhalten

Lachen macht gesund und glücklich

Es sieht nicht nur attraktiver aus, es ist auch noch unglaublich gesund für Körper und Psyche: Das haben Wissenschaftler über das Lachen herausgefunden.

12.11.2016
Lachen ist für Groß und Klein die beste Medizin	Foto: fotolia_contrastwerkstatt

Wer lacht, wirkt gleich sympathischer. Kaum zu glauben, dass Lachen früher nicht gesellschaftsfähig war. Wenn, dann lachte man nur hinter vorgehaltener Hand. „Vor allem Frauenlachen war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verpönt“, stellt Lachexperte Heiner Uber fest.
Heute bewertet die Gesellschaft das Phänomen ganz anders und versucht, es ernsthaft wissenschaftlich zu ergründen. „Gelotologie“ nennt sich das junge Fachgebiet, das die Auswirkungen des Lachens im menschlichen Körper untersucht. Der Volksmund vermutete es schon lange – ob in Deutschland mit „Lachen ist die beste Medizin“, in Indien mit „Der beste Doktor ist das Lachen“ oder in Italien mit „Lachen macht gutes Blut“. Jetzt liefern Studien die wissenschaftlichen Beweise für diese Aussagen: Lachen aktiviert im Organismus eine Kaskade von biochemischen Prozessen, die Körper und Psyche positiv beeinflussen. Heiner Uber, Lach-Yoga-Trainer und „Laughter-Coach“: „Mit einem kurzen Ha-Ha über einen Witz ist es allerdings nicht getan. Erst intensives, wiederholtes Lachen wirkt. Je länger und je öfter man täglich lacht, desto intensiver sind die Effekte.“ Das bedeutet also: bewusst Situationen suchen, die zum Lachen anregen, oder einen Lachkurs machen.

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Lachen stimuliert Anti-Tumor-Zellen

Aktuelle Forschungen des Neuroimmunologen Lee Berk von der Loma-Linda-Universität Kalifornien geben Hinweise, dass „während des Lachens die Produktion von körpereigenen Killerzellen deutlich ansteigt“, weiß Heiner Uber. Diese Zellen sind maßgeblich an der Bekämpfung von Tumoren beteiligt.
Lachen kann aber auch vor Erkältungen schützen. „Im Speichel und im gesamten Hals-Nasen-Rachenraum steigt durch Lachen die Konzentration von Immunglobulin A rapide“, so der Lachexperte. Diese körpereigenen Abwehrstoffe greifen an, was sich dort durch Tröpfcheninfektion ausbreiten und krank machen kann: Bakterien und Viren, die Schnupfen, Husten, Halsweh, Erkältung und Grippe verursachen.

Schutz für die Gesundheit

„Der Blutdruck sinkt durch regelmäßiges Lachen nicht nur für eine kurze Zeitspanne, sondern auf Dauer“, stellt Heiner Uber fest. Neben einigen Studien, die das bereits vermuten ließen, überzeugt vor allem eine Untersuchung von Ilona Papousek, Professorin für Neuropsychologie an der Universität Graz. In ihrer Studie hatten Schlaganfallpatienten, die vier Wochen lang Lach-Yoga trainierten, nachhaltig niedrigere Blutdruckwerte als solche, die wenig lachten.
Auch zum Thema Schmerz gibt es eine ganze Reihe von Studien. Heiner Uber: „Vor allem bei chronischen Schmerzen durch Rheuma, Verspannungen oder Fibromyalgie, also chronischen Muskel- und Sehnenansatz-Schmerzen, kann Lachen Wunder wirken.“
Der Hintergrund: Lachen aktiviert im Gehirn Endorphine. Diese Botenstoffe setzen eine biochemische Reaktion in Gang. „Die Schmerz hemmenden Systeme im Gehirn werden dabei aktiv. „Gegen akute starke Schmerzen, etwa durch eine eitrige Zahnwurzelentzündung, wirkt dieser Prozess allerdings nicht.“

Schutz vor Diabetes, bessere Verdauung

Erste Untersuchungen weisen darauf hin, dass sogar Diabetiker vom Lachen profitieren können. „Bei Patienten wurde beobachtet, dass während ausgiebigen Lachens der Blutzuckerspiegel sinkt“, erklärt Heiner Uber.
Nicht zuletzt fördert Lachen die Verdauung. Denn beim Lachen vibriert das Zwerchfell, viele Muskeln sind aktiv und erwärmen sich. „Damit fördert Lachen auch die Verdauung“, so Heiner Uber. Zusätzlich wird der Stoffwechsel angeregt. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff in die Organe. Die Gefäße bleiben elastisch, das Herz kräftig, gesund und fit.
Auch mögliche Aggressionen bekommt man durch Lachen schneller in den Griff. Der Grund: „Lachen entspannt die Kiefermuskulatur. Das gilt für etliche Säugetiere und auch für den Menschen. Es macht Zubeißen unmöglich. Wer lacht, ist nicht aggressiv“, stellt Heiner Uber fest. Lachen ist also eine Friedensgeste, die Aggression abbaut und Sympathie fördert.

Weniger Stress, mehr Glücksgefühle

Der Botenstoff Dopamin, den Lachen aktiviert, hat eine breite Wirkungspalette. Sie stehen im Zusammenhang mit intensiven Wohlgefühlen. Der biochemische Effekt dieser Stoffe ist dem von Kokain ähnlich. Der große Unterschied: Drogen machen abhängig und lassen das Gehirn „vergessen“, wie es selbstständig Dopamine und Endorphine aktivieren kann. Lachen dagegen trainiert und verbessert die Fähigkeit des Gehirns, diese Botenstoffe des Glücks anzukurbeln – und zwar ganz ohne Nebenwirkung.
Das ist auch hilfreich, wenn man negativen Stress, etwa zu viel Druck im Job oder Partnerprobleme, bewältigen muss. Dann nämlich entsteht im Körper das Stresshormon Adrenalin. Es lässt das Herz schneller schlagen, die Gefäße verengen sich, die Durchblutung funktioniert nicht mehr richtig. „Lachen hilft hier, Adrenalin und Aggressionen wieder abzubauen“, weiß Uber.
Positiver Stress, wie Frischverliebte ihn empfinden, unterliegt jedoch nicht diesem negativen Mechanismus. „Hier sorgen die Glücksboten wieder für ein Hochgefühl. Das Gleiche passiert beim Lachen. Doch das ist noch nicht alles: Lachen verbessert sogar den Sex: Luftröhre, Lunge und Zwerchfell werden dabei nämlich in Schwingung versetzt. „Diese massieren die inneren Organe – vom Hals bis zum Unterleib“, so Heiner Uber. „Das entspannt, durchblutet und steigert das Empfinden. Lachen und Sex gehören also ganz eng zusammen.“ (red)