Gehirn, Psyche und Verhalten

Gefahr für juvenilen Schlaganfall steigt

Einen Schlaganfall bekommen nur ältere Menschen? Mitnichten! Fast jeder fünfte Patient in Deutschland ist jünger als 55 Jahre. Eine schnelle Behandlung ist wichtig.

12.01.2018
Ein Kurzschlag im Gehirn trifft immer mehr Jüngere.  Foto: Fotolia / grafikplusfoto Ein Kurzschlag im Gehirn trifft immer mehr Jüngere. Foto: Fotolia / grafikplusfoto

Wenn Menschen zwischen 18 und 55 Jahren an einem Hirninfarkt erkranken, dann ist von einem „juvenilen Schlaganfall“ die Rede. Von den Betroffenen kehren nach der Erkrankung nur etwa 40 Prozent an ihren Arbeitsplatz zurück, etwa ein Drittel bleibt sogar dauerhaft berufsunfähig. Darauf machten Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) im Vorfeld des Weltschlaganfalltages am 29. Oktober aufmerksam.

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Risikofaktoren nehmen zu

Und die Zahl der juvenilen Schlaganfall-Patienten steigt weiter an, wie neueste Studien belegen. „Ein Grund für das vermehrte Auftreten von Schlaganfällen bei jüngeren Patienten liegt vermutlich in dem Anstieg der typischen Gefäßrisikofaktoren, die zu einem Schlaganfall führen können. Dazu zählen beispielsweise ein hoher Blutdruck, Diabetes, Rauchen und Übergewicht“, sagt Prof. Dr. med. Wolf Schäbitz, Pressesprecher der DSG. Bislang seien diese Faktoren bei den jüngeren Erkrankten als weniger relevant angesehen worden.
Ein Großteil der juvenilen Schlaganfälle entstehen durch Gefäßdissektionen – Beschädigungen arterieller Gefäßwandschichten – oder durch kardiale Embolien. „Kardiale Embolien bei diesen jüngeren Patienten werden vor allem durch strukturelle Veränderungen im Herzen verursacht“, erläutert Schäbitz. Die häufigste Form ist das sogenannte Persistierende bzw. Offene Foramen Ovale (PFO). Das PFO ist eine angeborene Verbindung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens – also eine Art Schlitz zwischen zwei Membranen. Dieser verschließt sich normalerweise bei der Geburt. Bei 15 bis 25 Prozent der gesunden Erwachsenen bleibt er jedoch offen oder kann sich unter Druck, beispielsweise beim Niesen, öffnen.

Blutgerinnsel abfangen

So können Gerinnsel aus dem venösen in den arteriellen Kreislauf und damit ins Gehirn gelangen – und Schlaganfälle verursachen. Neben Medikamenten zur Blutverdünnung – wie Marcumar oder Aspirin – kommt nach neuesten Studienergebnissen die Möglichkeit infrage, das PFO mit einer Art „Schirmchen“ zu verschließen, der über einen Katheter ins Herz eingebracht wird.
Circa 10 bis 15 Prozent der juvenilen Schlaganfälle sind auf seltene Ursachen, wie Gefäßentzündungen, Gerinnungsstörungen und Stoffwechselstörungen, zurückzuführen. Neben den Fällen mit klarer Ursache gibt es aber auch solche, die trotz sorgfältigster Untersuchungen ungeklärt bleiben. (red)