Gehirn, Psyche und Verhalten

Depression verschlechtert die Krebs-Prognose

OP, Strahlen- und Chemotherapie gehören meist zum Grundprogramm einer Tumorbehandlung. Doch auch der Kopf muss das Ganze verarbeiten. Eine Psychotherapie kann deshalb sinnvoll sein.

09.07.2018
Psychoonkologische Angebote nutzen.   Foto: Fotolia / Syda Productions Psychoonkologische Angebote nutzen. Foto: Fotolia / Syda Productions

Der menschliche Organismus funktioniert nicht wie ein Uhrwerk. Deshalb sollte man auch Krankheiten nie allein durch die Brille seiner Funktionalität betrachten. Lange schon untersuchen Wissenschaftler, wie groß der Einfluss der Psyche auf die Entstehung von Krebs ist. Doch so gesichert, wie viele Menschen meinen, ist dieser Zusammenhang nicht. Wie der Deutsche Krebsinformationsdienst (KID) bekannt gibt, legt die Studienlage diese Vermutung nicht nahe. Viele, vor allem ältere Studien hätten Schwächen und stützten sich auf die Befragung bereits Erkrankter, die ihr Leben im Rückblick oft anders bewerteten. Genauere Ergebnisse bekommt man, wenn Gesunde über einen längeren Zeitraum zu Lebensqualität, Lifestyle (z. B. Essverhalten) und Risiken befragt werden, wie das bei neueren Studien der Fall ist.

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Keine Frage der Persönlichkeit

„Aus unserer Sicht gibt es sehr wenige Erkrankungen, die zu 100 Prozent rein körperlich sind oder zu 100 Prozent nur psychisch bedingt sind und keine körperlichen Auswirkungen haben. Bei den meisten Erkrankungen ist dieser Übergang fließend“, so die Erfahrung von Dr. Katrin Imbierowicz, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn. Eine „Krebspersönlichkeit“ oder eine „psychosomatische Persönlichkeit“, wie sie hier und da proklamiert wird, gibt es ihrer Meinung nach aber nicht. „Fest steht jedoch, dass sich die Prognose der Grunderkrankung verschlechtert, wenn man bereits Krebs hat und zusätzlich eine Depression oder eine Angsterkrankung bekommt. Das gilt übrigens auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“
Auch der KID gibt an, dass es einen direkten ursächlichen Zusammenhang zwischen Psyche und Krebsentstehung nicht gibt. Wohl aber kann sich zum Beispiel Stress indirekt auf die Krebserkrankung auswirken. Wer etwa deshalb viel raucht oder seinen Frust regelmäßig mit Alkohol herunterspült, erhöht sein Krebsrisiko.

Psychoonkologie kann helfen

Die Diagnose Krebs zählt ebenfalls zu den starken Belastungen, die das Leben der Betroffenen nachhaltig beeinflussen. Deshalb gibt es in fast jeder Klinik psychoonkologische Angebote. „Der Konsiliardienst unserer Ambulanz entscheidet, ob eine Psychotherapie im individuellen Fall sinnvoll ist“, so Dr. Imbierowicz. „Das trifft auf ungefähr ein Drittel der Patienten zu. Auch sind wir hier bei der Therapeutensuche behilflich.“ Deshalb sollte sich niemand scheuen, diesen Weg einzuschlagen. Schließlich könne es irgendwann jeden treffen, so die Expertin: „Jeder von uns kann psychisch erkranken!“ (bibi)