Frauen- und Männergesundheit

Strahlentherapie sicherer und schonender

Bei Katheter-Eingriffen sind Chirurgen auf präzise Assistenzsysteme angewiesen. Ein neues Verfahren verbessert nun die genaue Deutung von unklaren MRT-Bildern und macht so die Krebstherapie sicherer.

04.10.2017
Per Katheter wird die Strahlung genau an jenen Stellen innerhalb des betroffenen Gewebes eingebracht, an denen der Tumor saß und Restkrebszellen zu erwarten sind. Dadurch wird gesundes Gewebe geschont.  Foto: Universitätsklinik Lübeck

Nach einer OP wird das gesunde Umgebungsgewebe des Tumors meist bestrahlt. Damit verringert man das Risiko, dass Restzellen zurückbleiben, die eine Wiederkehr des Krebsgeschwürs oder die Bildung von Metastasen wahrscheinlich machen würden. Bei einem Tumor an Gebärmutterhals oder Prostata erfolgt das minimalinvasiv, also per Schlüsselloch-OP.
In Bezug auf die Bestrahlung sprechen Mediziner dann von einer „internen Strahlentherapie“ (med. Brachytherapie). Dabei werden mithilfe eines Katheters eine oder mehrere radioaktive Strahlenquellen innerhalb oder in unmittelbarer Nähe des zu bestrahlenden Gebietes im Körper platziert. Der Erfolg dieser Therapie und die Schonung des gesunden Gewebes hängen davon ab, ob die Strahlendosis genau an der richtigen Stelle abgegeben wird.

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Strahlen richtig dosieren

Im Rahmen eines von der Universität zu Lübeck und an der Harvard Medical School geförderten Projektes (1) wurde eine Methode für das hochgenaue und präzise, digitale Auslesen dieser Katheterpfade entwickelt. Das heißt, sie ermöglichen es, während der Operation im MRT-Bild die den Tumor treffenden Strahlen („Pfade“) den Öffnungen einer „Syed-Neblett-Schablone“ zuzuordnen. Dies ist für die richtige Dosierung und Positionierung der Strahlenquellen im Tumorgebiet von zentraler Bedeutung. Denn der Strahler wird noch während des Eingriffs, bildgestützt und quasi den Tumor im Blick, eingesetzt. Dies geschieht auf Basis der zunächst vom Operateur angelegten Katheterpfade und der im Computer bildgestützt identifizierten und zielführenden Katheterpfade.

Dunkle Bildstrukturen deuten

Das Problem bisher: Viele der MRT-Bilddaten enthielten nur dunkle, diffuse und dadurch sehr schwer zu deutende Katheternadel-Darstellungen – also kleine, die Katheter ausmachende Bildspuren. Diese erschweren eine zuverlässige Platzierung und Dosierung der Strahlen, da der Operateur nur die Schablone für die Katheternadelneinführung und nicht das Innere des Patienten sieht. Die Artefakte befinden sich in den Bildern in einem Grauwertespektrum, das in oft verwendeten CT-Aufnahmen mit zusätzlicher Dosisbelastung zu Verwechslungen mit anderen Bildstrukturen führen kann. Mit dem neuen Verfahren lassen sich diese dunklen Stellen nun besser den Schablonenöffnungen zuordnen, was die Brachytherapie sicherer und erfolgreicher macht. (red)

(1) http://goo.gl/rXaXyY