Frauen- und Männergesundheit

Prostatakrebs: Neue Biomarker entdeckt

Die Antwort, ob man für oder gegen einen Eingriff ist, kann über Leben und Tod entscheiden, aber auch über die Lebensqualität. Forscher haben neue Diagnose-Parameter entdeckt, die bei der Wahl helfen.

27.03.2019
Häufiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder Erektionsstörungen sind Alarmsignale der Prostata.   Foto: Fotolia / jovannig Häufiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder Erektionsstörungen sind Alarmsignale der Prostata. Foto: Fotolia / jovannig

Der Tumor wächst langsam und bereitet zunächst keine Beschwerden, was seine Entdeckung allerdings erschwert. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 60.000 Männer mit dieser Diagnose konfrontiert. Sie stehen dann vor der schwierigen Entscheidung, erst einmal abzuwarten oder sich einer Operation bzw. einer Strahlentherapie zu unterziehen. Diese aber hat erhebliche Nebenwirkungen, wie etwa Impotenz und Inkontinenz. Bei lokal begrenzten, wenig aggressiven Tumoren ist Abwarten deshalb durchaus eine Option. „Um die Patienten in dieser Situation besser beraten zu können, wäre es extrem hilfreich, Biomarker zu kennen, die Ärzten dabei helfen, zwischen aggressiven und weniger aggressiven Tumoren zu unterscheiden“, sagt Clarissa Gerhäuser vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

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Mutationen durch Enzyme

Gemeinsam mit anderen Forschern aus Europa haben Ger-häuser und Kollegen vom DKFZ jüngst das Erbgut früher Prostatatumoren analysiert. „Beim Vergleich mit bereits weiter fortgeschrittenen Tumoren konnten wir dabei beobachten, wie (…) quasi im Uhrzeigertakt neue Mutationen hinzukommen“, erklärt die Forscherin.
Die meisten dieser frühen Mutationen gehen vermutlich auf das Konto bestimmter Enzyme wie das APOBEC. „Wir gehen davon aus, dass APOBEC die Prostatazellen langsam, aber konstant verändert – jedes Mal, wenn sich die Zelle teilt. So sammeln sich im Verlauf von 20 Jahren vielleicht 10 bis 20 Mutationen an“, sagt Jan Korbel vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg.

Fusion von Onkogenen

„Das häufigste Onkogen (Anm. der Redaktion: krebsauslösendes Gen) bei Prostatakrebs entsteht durch eine bestimmte Fusion von Genen. „Ob APOBEC dahinter steckt, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Aber es gibt einen starken Zusammenhang zwischen solchen Genfusionen und der APOBEC-Aktivität“, erklärt Studienleiter Joachim Weischenfeldt.
Die Wissenschaftler haben zudem ein mutmaßliches neuartiges Onkogen bei Prostatakrebs – ESRP1 – gefunden, das mit sehr schnell teilendem und hochaggressivem Prostatakrebs in Verbindung gebracht wird. Den Zusammenhang zwischen Aggressivität und der Verdopplung des ESPR1-Gens konnten die Wissenschaftler bestätigen. Das Onkogen taugt somit als Prognosemarker, da es bereits im frühen Stadium der Krebserkrankung nachweisbar ist. (red)