Frauen- und Männergesundheit

Hormone gegen Endometriose?

Hinter starken Schmerzen während der Periode steckt meist mehr als normale Menstruationsbeschwerden. Nun sollen Schwangerschaftshormone bei der Behandlung und Prävention helfen.

22.11.2017
Jeden Monat einmal durch die Hölle? Das muss nicht sein!  Foto: AdobeStock / Robert Kneschke

Die fortschreitende, chronische Krankheit Endometriose betrifft rund zehn Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter. Neben starken Schmerzen während der Periode können die Entzündungen im Bauchraum auch Unfruchtbarkeit hervorrufen. Trotzdem erdulden viele die Erkrankung, in der Annahme, es handele sich um normale Menstruationsbeschwerden. Erst wenn die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind, gehen sie zum Arzt. Die Diagnose wird deshalb im Schnitt erst acht bis zehn Jahre nach Ausbruch der Erkrankung gestellt.

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Schwangerschaft vortäuschen

Damit es gar nicht erst dazu kommt und den betroffenen Frauen viel Leid erspart bleibt, haben Forscher aus Bern und Rom zusammen mit BioIncept aus New York nun einen anderen Therapieansatz getestet. In der Studie PLOS one konnten sie zeigen, dass das Molekül PIF (PreImplantation Factor), welches der Embryo während der Schwangerschaft produziert, die Entzündungsherde der Krankheit lindert. Ein Grund, warum sich eine Endometriose häufig während der Schwangerschaft bessert. Erfreulicherweise lässt sich der Effekt auch mit einer synthetischen Variante von PIF herstellen, so die Studienergebnisse. Das lässt auf die Entwicklung neuer Medikamente hoffen, mit denen man Endometriose behandeln oder sogar vermeiden könnte.
„Weil PIF mit wichtigen Entzündungszellen interagiert, könnten wir damit erstmals die Entzündungsreaktionen der Endometriose beeinflussen“, erklärt PD Dr. Dr. med. Martin Müller, Leitender Arzt der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Bern. Erstautor Marco Sbracia aus dem Hungaria Center for Endocrinology and Reproductive Medicine (HCERM) in Rom geht sogar noch weiter: „Es gibt Hinweise darauf, dass PIF vor dem Ausbruch der Entzündung schützen kann.“

Für Diagnostik und Therapie

In der Studie konnten Müller und sein Team zeigen, dass PIF die Entzündungsreaktion beeinflusst und gegebenenfalls die Endometriosezellen absterben lässt. Damit kann das Molekül potenziell sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie von Endometriose eingesetzt werden. „Wir möchten diesen neuen Ansatz weiter verfolgen, um die Entzündungen, die der Ursprung der Endometriose sind, an der Wurzel zu packen“, sagt Müller. Die Berner Forscher prüfen nun, ob eine klinische Studie bei Endometriose möglich ist.
Bislang kommt neben der Operation v. a. eine hormonelle Behandlung infrage. Die Entwicklung von Medikamenten, die die Entzündung stoppen, ohne in den Hormonhaushalt der Frau einzugreifen, ist daher ein großes Anliegen. (red)