Frauen- und Männergesundheit

Brustkrebs: Stress beeinträchtigt das Gedächtnis

Seit Jahren beobachtet man geringe kognitive Störungen bei Brustkrebspatientinnen. Nun haben Forscher herausgefunden, dass nicht die Chemotherapie daran schuld ist.

12.09.2018
Allein das Ertasten eines Knotens kann ein Schock sein.  Foto: Fotolia / detailblick-foto Allein das Ertasten eines Knotens kann ein Schock sein. Foto: Fotolia / detailblick-foto

Als wären Brustkrebs-Patientinnen nicht schon genug durch die Diagnose und Therapie verunsichert, treten häufig nach der Behandlung leichte Gedächtnisstörungen auf. Bislang wurden diese in Zusammenhang mit einer Chemotherapie gebracht. Mediziner sprachen sogar vom „Chemobrain“. Doch hat diese Therapie tatsächlich diese Nebenwirkung?

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Trauma Krebs

Unter Leitung von Dr. Kerstin Hermelink vom Brustzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben Wissenschaftler mehrerer Kliniken in und um München in einer Längsschnittstudie untersucht, welche Rolle posttraumatischer Stress in der Verursachung der Störungen spielt. Das Ergebnis: Ein Jahr nach der Diagnose Brustkrebs fanden sich diese minimalen kognitiven Auffälligkeiten bei Patientinnen mit und ohne eine Chemotherapie. Daraus schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass die Gedächtnisstörungen vielmehr mit dem posttraumatischen Stress zusammenhängen, der sich im Rahmen der Krebs-Diagnose und -Therapie zwangsläufig einstellt. „Es ist gut nachgewiesen, dass posttraumatischer Stress – nicht zu verwechseln mit normalem Alltagsstress – tief in die Arbeitsweise des Gehirns eingreift“, erklärt die Studienleiterin. „Eine Krebserkrankung kann als Trauma erlebt werden. Deshalb war es naheliegend, die Hypothese aufzustellen, dass kognitive Auffälligkeiten bei Krebspatientinnen eine Folge von posttraumatischer Stressbelastung sind.“

Stress ist schuld

Im Vergleich mit den 60 Teilnehmerinnen ohne Krebs in der Kontrollgruppe zeigten die 166 Patientinnen mit Brustkrebs in neuropsychologischen Tests insgesamt eine leichte, gerade noch nachweisbare Abnahme ihrer Testleistungen. Zudem machten die Patientinnen sowohl vor Behandlungsbeginn als auch ein Jahr später mehr Fehler in einem von mehreren Aufmerksamkeitstests. Alle diese Auffälligkeiten hingen mit der Stärke posttraumatischer Symptomatik zusammen.
Diese Studienergebnisse legten nahe, dass Störungen kognitiver Funktionen bei Krebspatientinnen eher auf psychologische Faktoren zurückzuführen seien als auf die neurotoxischen Nebenwirkungen der Behandlung, soDr. Hermelink: „In unserer Studie haben wir uns auf die Effekte von posttraumatischem Stress beschränkt, aber auch Schlaflosigkeit, unter der viele Krebspatientinnen leiden, eine berufliche Auszeit, Angst, Depressivität und andere Faktoren könnten an der Verursachung der kognitiven Beeinträchtigungen beteiligt sein.“ Faktoren, die bislang in der Forschung zu diesem Thema vernachlässigt wurden. (red)