Frauen- und Männergesundheit

Alte Spermien sind ein Risiko

Männer sind länger fruchtbar als Frauen. Doch die Qualität der Samen lässt mit den steigenden Lebensjahren stark nach. Und das hat später Konsequenzen fürs Kind.

01.07.2019
Ob es mit dem Nachwuchs klappt, hängt nicht nur von der Frau ab.   Foto: AdobeStock / Eziutka Ob es mit dem Nachwuchs klappt, hängt nicht nur von der Frau ab. Foto: AdobeStock / Eziutka

Die Paare, die sich Kinder wünschen, werden immer älter. Doch die verbreitete Annahme, dass Spermien nicht altern, stimmt nicht. Neuere Forschungen belegen: Auch männliche Keimzellen unterliegen Alterungsprozessen. Studien weisen darauf hin, dass die DNA der Samenzellen über die Jahre Schaden nehmen kann.
Die Folge: Das Risiko von Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen des Nachwuchses steigt. Ebenso erleiden die Partnerinnen häufiger Komplikationen ihrer Schwangerschaft.

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„Mögliche Risiken einer späten Elternschaft wurden lange Zeit nur in Bezug auf das Alter der Frau betrachtet. Das Alter des Vaters wurde bislang vernachlässigt“, berichtet Universitätsprofessor Dr. rer. nat. Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster auf der Pressekonferenz des 62. Kongresses für Endokrinologie im März in Göttingen.
Während der lebenslange Keimzellen-Pool von Frauen, bestehend aus rund 400.000 unreifen Eizellen pro Eierstock, bereits zum Zeitpunkt der Geburt angelegt ist und ab diesem Datum altert, produzieren Männer im Laufe ihres Lebens Millionen von Spermien täglich immer wieder neu. „Daraus leitete sich die Annahme ab, männliche Keimzellen würden nicht altern“, erklärte der Mediziner. Dabei würde jedoch nicht berücksichtigt, dass auch bei älteren Männern die Integrität der Spermien-DNA beeinträchtigt sein könnte, etwa durch genetische und epigenetische Veränderungen. „Das dadurch verursachte veränderte Ablesen von Genen könnte sowohl die Embryonal- als auch die Plazentaentwicklung beeinträchtigen“, so Schlatt.

Folgen für Körper und Psyche

Eine britische Studie untersuchte, welche Auswirkungen das Alter der Eltern für die Gesundheit von Mutter und Kind hat.
Das Ergebnis: Ein Alter des Vaters ab 45 Jahren ging im Vergleich zum Referenzalter zwischen 25 und 34 Jahren mit einem signifikant höheren Risiko für eine Frühgeburt sowie für ein niedriges Geburtsgewicht einher. Die Kinder der ältesten Väter benötigten auch deutlich häufiger eine Atemunterstützung nach der Geburt und mussten öfter auf eine neonatologische Intensivstation aufgenommen werden.
Frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass Erkrankungen wie Autismus und Schizophrenie ebenfalls mit dem Alter des Vaters assoziiert sind, ergänzte der Forscher.
Mediziner raten Männern unter 40 Jahren, die später noch Kinder wollten, unter diesem Aspekt darüber nachdenken, ihre Spermien einfrieren zu lassen. (red)