Ernährung und Gewichtskontrolle

Propionate statt Ballaststoffe?

Pflanzenfasern produzieren Fettsäuren, die das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen senken können. Propionate sollen die gleiche Funktion erfüllen. Eine kleine Revolution!

23.01.2018
Foto: Adobe Stock / emuck und Fotolia / mates

Einem Wissenschaftlerteam des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke gelang jetzt ein entscheidender Durchbruch: Sie wiesen konkret nach, dass ballaststoffreiche Kost dazu führt, dass im Darm besondere Fettsäuren produziert werden, die eine Reihe von Erkrankungsrisiken deutlich reduzieren – unter anderem von Diabetes, Darmkrebs, aber auch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Diabetes verhindern

Ziel der Studie war es gewesen, einen Marker für den menschlichen Ballaststoffverzehr zu finden. Denn hier waren Ärzte bislang auf Selbstauskünfte von Patienten über Ernährungsgewohnheiten angewiesen.
Das Potsdamer Wissenschaftlerteam fand jetzt eine Methode, die eine medizinisch genaue Einschätzung möglich macht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Autorinnen Karolin Weitkunat, Sara Schumann und Susanne Klaus jetzt im American Journal of Clinical Nutrition.
Als Marker eingesetzt werden können künftig die Werte bestimmter Fettsäuren (C15- und C17-Fettsäuren). Menschen, die in ihrem Blut einen ausreichend hohen Spiegel dieser beiden Fettsäuren besitzen, haben ein vermindertes Diabetes-Risiko. Die Wissenschaftler vermuteten im Kern einen direkten Zusammenhang zwischen höherer Ballaststoffaufnahme und in der Folge höheren Fettsäurespiegeln im Blut und einem geringeren Diabetes-Risiko.

Grundlage für Darmbakterien

Der Hintergrund: Lösliche Ballaststoffe werden von den im Darm lebenden Bakterien fast komplett zu kurzkettigen Fettsäuren wie Propionat und Gasen abgebaut. Die von den Bakterien gebildeten Fettsäuren dienen zum einen als Nahrungsgrundlage für die Bakterien selbst, zum anderen sind sie gemeinsam mit den entstehenden Gasen dafür verantwortlich, dass der Stuhl voluminöser und weicher wird.
Die Teilnehmer der Potsdamer Studie erhielten eine Woche lang zusätzlich zur normalen Kost entweder 30 Gramm nichtlösliche Ballaststoffe, 30 Gramm lösliche Ballaststoffe oder 6 Gramm medizinisch hochreines Natriumpropionat.
Das Ergebnis: Nicht lösliche Ballaststoffe hatten keinerlei Einfluss auf den untersuchten Fettsäurelevel. Nach dem Verzehr von löslichen Ballaststoffen stieg der Spiegel der C15-Fettsäure hingegen um 15 Prozent an. Zum Einsatz kam Inulin, das zum Beispiel in Zwiebeln, der Topinambur-Wurzel und Chicorée vorkommt. Aber auch bei der direkten Aufnahme von Propionat stieg der C15-Fettsäurespiegel fast ebenso stark an wie beim Inulin. Sie konnten zeigen, dass Menschen in der Lage sind, C15- und C17-Fettsäuren aus der Vorstufe Propionat zu bilden. Wer wenig Ballaststoffe zu sich nimmt, könnte künftig durch Propionat seine Gesundheit stärken. (red)