Ernährung und Gewichtskontrolle

Länger leben nach Krebs

Ernährung und Krebs haben mehr miteinander zu tun, als viele meinen. Studien zeigen: Wer sich nach der Therapie gesund ernährt, hat gute Chancen, länger zu leben.

17.03.2017
Gesundes Gemüse vom Mittelmeer schneidet in allen Studien gut ab.   Foto: DAK-Gesundheit

Die Zahl der Menschen, die eine Krebserkrankung überleben, steigt glücklicherweise – sowohl in Europa als auch den USA. Doch gibt es nur wenige Studien, die die Zusammenhänge zwischen der Ernährung und dem Risiko eines vorzeitigen Todes in dieser Personengruppe systematisch untersucht haben.
Nun hat eine ebensolche Auswertung und Analyse von 117 Beobachtungsstudien mit Daten von insgesamt 209.597 Menschen gezeigt, dass ehemalige Krebspatienten ein um etwa 50 Prozent erhöhtes Risiko haben, vorzeitig zu sterben, wenn sie sich ungesund ernähren. Das Wissenschaftlerteam unter Führung von Lukas Schwingshackl, Carolina Schwedhelm und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) veröffentlichte seine Daten kürzlich in der Fachzeitschrift „Nutrition Reviews“. 55 der 117 analysierten Beobachtungsstudien basieren auf US-amerikanischen Daten, 33 auf europäischen und 21 auf asiatischen.

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Mittelmeer-Diät statt „Western“

Personen, die sich vor oder auch nach der Krebserkrankung ungesund ernährten, das heißt, eine als „Western-Diät“ bezeichnete Ernährungsform bevorzugten, hatten ein um bis zu 50 Prozent erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben. Diese Zusammenhänge konnten die Wissenschaftler insbesondere bei Brust- und Dickdarmkrebs-Überlebenden beobachten. Die Western-Diät ist durch einen hohen Anteil gesättigter Fette, zucker- und salzhaltiger Lebensmittel, Weißmehlprodukte sowie stark verarbeiteter Lebensmittel, wie zum Beispiel Wurstwaren, charakterisiert. Die Datenanalyse der Wissenschaftler weist zudem darauf hin, dass eine im Vergleich zu der Western-Diät gesunde Ernährung die Sterblichkeit vermindert, wie beispielsweise die Mittelmeer-Diät, die reich ist an Getreideprodukten, Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen sowie Fisch. „Wurden einzelne Lebensmittel und Getränke betrachtet, konnten wir zeigen, dass ein hoher Alkoholkonsum mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden war“, sagt Erstautorin der Studie, Carolina Schwedhelm. Dies gelte insbesondere für Krebsüberlebende, die an Leber-, Speiseröhren- und Rachenkrebs sowie Tumoren im Kopf- und Nackenbereich erkrankt waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Krebserkrankung wieder auftrat, erhöhte sich nach aktueller Studienlage durch den erhöhten Konsum von Alkohol zudem auf 17 bis 31 Prozent, insbesondere bei an Brustkrebs erkrankten Patienten.

Ernährung spielt zentrale Rolle

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine ungesunde Ernährungsweise die Lebenserwartung relativ stark beeinflusst. Dies zeigen sowohl die Beobachtungsstudien, welche die Ernährungsgewohnheiten vor als auch nach der Krebsdiagnose erfassten“, erklärt Studienleiter Schwingshackl. „Auf der anderen Seite beobachteten wir, dass als gesund angesehene Lebensmittel sowie Ernährungsweisen, bei denen reichlich von diesen Nahrungsmitteln gegessen wird, die Lebenszeit bei Krebsüberlebenden verlängern können“, so der Ernährungswissenschaftler weiter. „Sowohl diese Studie wie auch andere konnten zeigen, dass die Ernährungsweise einen Einfluss auf komplexe Geschehen wie die Sterblichkeit hat. Solche Zusammenhänge sollten weiter erforscht werden, zum Beispiel im Zuge der Rehabilitationsmaßnahmen nach einer Krebserkrankung.
Die Datenlage wird mit jeder Studie sicherer, dass eine Ernährung mit bevorzugt risikoarmen Lebensmitteln sinnvoll ist, und das nicht nur für Krebsüberlebende“, ergänzt Heiner Boeing, der am DIfE die Abteilung Epidemiologie leitet. (red)