Augen, Nase und Ohren

Sehverlust im Alter rechtzeitig erkennen

Mit zunehmenden Lebensjahren lässt die Kraft der Augen nach. Doch nicht jede Verschlechterung des Sehens lässt sich damit begründen. Manchmal stecken ernste Erkrankungen dahinter.

11.09.2017
Nicht jede Sehschwäche ist harmlos.   Foto: Adobe Stock_Jacob Lund

Die Evolution hat das menschliche Auge nicht darauf vorbereitet, 90 Jahre und länger seinen Dienst zu tun. Hinter Orientierungsproblemen, Gangunsicherheit und Stürzen bei Senioren muss deshalb nicht zwangsläufig eine Demenz, eine Durchblutungsstörung oder eine Muskelschwäche stecken. Auch ein unerkannter Sehverlust kann schuld daran sein. „Insbesondere das Detailsehen ist durch Alterungsprozesse bedroht“, sagt Prof. Dr. med. Focke Ziemssen, stellv. Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen auf der Fachtagung „Sehen im Alter“ in Bonn.
Da der Sehverlust meist schleichend verläuft, wird er zunächst oft nicht erkannt. Dadurch gewöhnen sich viele Betroffene an diesen Zustand. Viele verdrängen die fortschreitende Seheinschränkung so lange wie möglich und hoffen auf spontane Besserung. „Sie wissen, dass in der Folge Einschränkungen wie der Abschied vom Autofahren drohen“, sagt Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) auf der Tagung.
Ein wichtiger Hinderungsgrund für regelmäßige Kontrollen seien aber auch fehlende Transportmöglichkeiten zum Augenarzt. Werden Augenerkrankungen zu spät entdeckt, kann das gravierende Folgen haben. Etwa 4,5 Millionen Bundesbürger sind von der altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) betroffen, die unbehandelt zum Erblinden führen kann. „Doch wenn wir Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren, kann die moderne Augenmedizin häufig helfen und das Sehvermögen bewahren“, so Prof. Focke Ziemssen. „Selbstständigkeit und soziale Teilhabe bleiben so länger erhalten.“ (red)

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