Augen, Nase und Ohren

Grüner Star: Mini-Implantate retten Augenlicht

Sehen zu können gehört zu den kostbarsten Gaben der Natur. Doch einige Erkrankungen bedrohen diesen Sinn. Nun macht eine innovative Therapie neuen Mut.

26.11.2017
 Foto: Fotolia / hppd

Nichts mehr sehen zu können, ist für viele Menschen der Albtraum schlechthin. Ein unbehandeltes Glaukom, im Volksmund „Grüner Star“ genannt, ist die weltweit zweithäufigste Ursache für eine Erblindung. Gesundheitsexperten schätzen, dass dadurch im Jahr 2020 bereits rund 11,2 Millionen Menschen erblindet sein werden.

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Stau des Kammerwassers

Doch nun gibt es neue Hoffnung: Seit Kurzem gibt es die Möglichkeit, durch eine minimalinvasive Operation Mini-Implantate einzusetzen und so die schleichende Erblindung der Patienten zu verhindern.
Das ist eine gute Nachricht. Denn beim Glaukom, einer chronisch fortschreitenden Augenerkrankung, wird der Sehnerv meist durch erhöhten Augeninnendruck geschädigt.
Der Druck entsteht, weil das Kammerwasser im Auge nicht mehr gut abfließen kann. „Die meisten Patienten werden mit Tropfen behandelt, die den Augeninnendruck senken“, erklärte Prof. Dr. med. Thomas Kohnen, Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) im Vorfeld der 115. Kongresses der DOG in Berlin.

Druck vom Sehnerv senken

Helfen die Medikamente nicht, muss operiert werden, um eine Erblindung zu umgehen. Die neue minimalinvasive Methode mit kleinen Implantaten vereinfacht nun den Glaukom-Eingriff und lässt das Kammerwasser effektiver abfließen. Diese in der Medizin weltweit kleinsten Implantate werden mithilfe eines Mikroskops durch einen kleinen Schnitt ins Auge eingesetzt. Sie haben die Form winziger Röhrchen, nicht viel dicker als ein Haar, durch die das gestaute Kammerwasser aus dem Auge heraus geleitet wird. Die Augenchirurgen platzieren die Mini-Stents in die feinen Abflusskanälchen des Kammerwassersystems unter die Lederhaut oder unter die Bindehaut.

Mit Grauem Star behandeln

Der Schnitt ist so winzig, dass er nicht genäht werden muss. Die Experten sprechen deshalb auch von „Minimalinvasiver Glaukomchirurgie“, kurz MIGS.
„Von diesem schonenden Eingriff profitieren insbesondere hochbetagte Patienten und solche, bei denen Augeninnendruck senkende Tropfen nicht oder nur unzureichend wirken, die sie nicht vertragen oder die sie nicht täglich und korrekt anwenden können“, so DOG-Experte Prof. Dr. med. Norbert Pfeiffer. Zudem können die Implantate im Rahmen einer Operation am Grauen Star, einer Linsentrübung, eingebracht werden, unter der rund 80 Prozent aller über 80-Jährigen leiden. (red)