Alters- und Palliativmedizin

Traumazentrum statt Pflegeheim

Ein Knochenbruch kann ältere Menschen schnell zum Pflegefall machen. Neu etablierte Traumazentren sollen genau das verhindern.

20.04.2017
Die richtige Betreuung nach einem Bruch ist wichtig.  Foto: fotolia_ Gina Sanders

Jedes Jahr erleiden über 700.000 betagte Menschen in Deutschland einen Bruch des Oberschenkels, der Wirbel oder Arme – Tendenz stark steigend. Altersbrüche zählen mittlerweile zu den häufigsten Ursachen für eine Krankenhauseinweisung und spätere Pflegebedürftigkeit. 50 Prozent der Patienten sind anschließend hilfsbedürftig oder können nicht mehr in ihr häusliches Umfeld zurück. Das ist für die Patienten ein dramatischer Einschnitt, belastet aber auch die Sozialkassen in steigendem Maße.
Denn die Behandlung von Knochenbrüchen bei Senioren wird durch ihr hohes Alter und damit einhergehende Begleiterkrankungen erschwert. „Die betagten Patienten sind häufig gebrechlich, haben kognitive Einschränkungen und leiden an Herz- oder Niereninsuffizienz“, so Professor Dr. med. Ulrich Liener, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).
Orthopäden und Unfallchirurgen haben jetzt spezielle Traumazentren etabliert, in denen sie gemeinsam mit Altersmedizinern, Pflegekräften und Physiotherapeuten zusammenarbeiten. „Internationale Studien an älteren Patienten mit Knochenbrüchen zeigen, dass die Behandlung in einem interdisziplinären und multiprofessionellen Team gemeinsam mit Altersmedizinern im Vergleich zur Standardbehandlung zu wesentlich besseren Ergebnissen führt“, erklärt Universitäts-Professor Dr. med. Florian Gebhard, Kongress-Präsident des DKOU 2016. Deutlich mehr der Ältesten könnten dadurch nach der Akutphase und Rehabilitation wieder ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen und zu Hause leben. (red)

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