Alters- und Palliativmedizin

Schilddrüse: höhere Werte im Alter normal

Die hormonproduzierende Drüse ist wichtig für den Organismus. Funktionsstörungen müssen deshalb behandelt werden. Bei Älteren raten Experten jedoch zunächst zum Abwarten.

21.04.2018
Regelmäßige Kontrollen beim Facharzt sind wichtig.   Foto: AdobeStock / Jürgen Fälchle

Kälteempfindlichkeit, Müdigkeit oder depressive Verstimmungen – diese Symptome können auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen. Darauf deuten erhöhte Werte des thyreo-stimulierendes Hormon (TSH) hin. Doch bei über 65-Jährigen ist der TSH-Wert altersbedingt höher als bei Jüngeren.

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Zurückhaltung angeraten

Die Behandlungsleitlinien empfehlen deshalb zunächst ein zurückhaltendes Vorgehen. Darauf wiesen Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in der kürzlich veröffentlichten TRUST-Studie hin.
Reguliert wird die Schilddrüse über die Hirnanhangdrüse, die TSH bildet, was wiederum die Jodaufnahme und die Hormonproduktion in der Schilddrüse anregt. Für Erwachsene gilt ein TSH-Wert von etwa 0,4 bis 4,0 mU/l als normal. „Erhöhte TSH-Werte sind häufig. Wenn sie oberhalb des definierten Laborreferenzbereiches liegen, interpretieren Mediziner sie oft automatisch als Schilddrüsenfunktionsstörung und ordnen sie als latente oder subklinische Schilddrüsenunterfunktion ein“, sagt Prof. Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Mitglied im Beirat der DGE-Sektion Schilddrüse. Doch nicht immer steckt dahinter ein krankhafter Befund. Vor allem bei älteren Menschen, bei denen der TSH-Wert ohnehin erhöht ist, die Symptome variieren und Begleiterkrankungen vorliegen, solle der Arzt bei der Interpretation der Laborwerte zunächst abwarten, so sein Rat.

Altersabhängige Zielwerte

Der Grund: Leicht erhöhte TSH-Werte bis 7 mU/l normalisieren sich häufig spontan. Steigt der TSH dagegen über 10 mU/l, besteht ein erhöhtes Risiko für Fettstoffwechselstörungen und Herzprobleme. Auch die Lebensqualität leidet. Eine pragmatische Empfehlung ist deshalb, bei älteren Patienten, die an anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, einer koronaren Herzkrankheit oder Diabetes leiden, ab diesem Wert eine Schilddrüsenhormonsubstitution zu starten. „Der zu erzielende Wert sollte altersbezogen eingestellt werden; also bei älteren Patienten durchaus auf TSH-Konzentrationen von 4 bis 6 mU/l“, so Führer. (red)