Alters- und Palliativmedizin

OP-Trauma Delir – kann man vorbeugen?

Dem Körper wurde geholfen, doch im Kopf bricht für manche nach einer Operation das Chaos aus. Wie umgehen mit Wahnvorstellungen und Aggressivität?

15.02.2019
Manche erleben nach der Narkose einen Albtraum.  Foto: AdobeStock / sclos Manche erleben nach der Narkose einen Albtraum. Foto: AdobeStock / sclos

Fünf bis 15 Prozent aller traumatisierten OP-Patienten leiden nach einer Operation an einem postoperativen, kognitiven Defizit, auch Delir genannt. Bewusstsein, Denken und Gedächtnis können dann gestört sein.
Die Intensivpflegerin und Master-Absolventin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, Sabrina Pelz, erklärt das Phänomen: „Das Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand. Einen Risikofaktor stellt die Operation unter Narkose dar. Das postoperative Delir entwickelt sich kurz nach dem Erwachen aus der Narkose, einige Stunden danach oder auch Tage später.“
Die klassischen Symptome reichen von Phasen der Verwirrtheit und Desorientierung bis hin zu psychomotorischen Unruhezuständen, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. Dabei beziehen Betroffene Gegenstände und Personen in ihre subjektive Wirklichkeit mit ein. „Das kann auch bedeuten, dass sie bekannte Personen nicht erkennen oder ein aggressives Verhalten zeigen“, so Pelz.

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Bleibende Schäden

Diese temporäre Verwirrtheit kann Spätfolgen haben. In zirka 40 Prozent der Fälle haben diese Patienten bleibende kognitive Defizite oder sind sogar pflegebedürftig. Zudem kann das Delir die Entwicklung einer Demenz begünstigen. Diverse Risikofaktoren können ein Delir hervorrufen: bereits bestehende kognitive Defizite, Stoffwechselerkrankungen, große Operationen mit langer Narkose, der Aufenthalt auf einer Intensivstation oder bestimmte Übermedikation (Polypharmazie). Erschreckend: In ungefähr 78 Prozent der Fälle wird das Delir erst spät oder gar nicht erkannt.

Was man tun kann

Pflegende und Angehörige sollten wissen, wie sie mit ihren Partnern, Eltern oder Freunden in diesem Fall umgehen müssen. Bei der Reorientierung helfen zum Beispiel die Brille, das Hörgerät oder die Zahnprothese. Weitere Orientierungshinweise geben eine Uhr, ein Kalender oder die Lieblingsmusik. Die Mobilisation unterstützt bei der Wiederherstellung der Orientierung im Raum, stärkt die Muskulatur und fördert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Auch die Anwesenheit von Angehörigen beschleunigt den Wiederherstellungsprozess der realen Wahrnehmung.
Aber man kann einem Delir auch vorbeugen. Pelz: „Den Schlaf-Wach-Rhythmus erhalten und fördern, Medikation vermeiden, die ein Delir auslösen oder Angstzustände hervorrufen können. Zum Beispiel zwei Stunden vor einer Operation das Trinken von Wasser schluckweise erlauben. Die frühzeitige Mobilisierung von Patienten fördern.“ (red)