Alters- und Palliativmedizin

Nach dem „Schlag“ depressiv und dement?

Nach einem Schlaganfall leidet oft auch die Psyche. Experten fordern deshalb mehr Aufklärung und Prävention und ein umfassenderes Nachsorgekonzept für die Betroffenen.

15.05.2017
Selbst wenn der Körper wieder funktioniert, die Seele leidet lange unter dem Ereignis.  Foto: fotolia_ GordonGrand Selbst wenn der Körper wieder funktioniert, die Seele leidet lange unter dem Ereignis. Foto: fotolia_ GordonGrand

Lähmungen, Sprachstörungen und Sehstörungen – ein Schlaganfall kann zahlreiche körperliche Folgen nach sich ziehen. Nicht selten leidet auch die Psyche: Bei etwa jedem dritten Patienten tritt eine Depression oder Angststörung auf. Zudem entwickelt jeder Zehnte eine Demenz. Um solche Folgeerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und ihnen kompetent zu begegnen, forderte die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) auf dem Weltschlaganfalltag ein umfassenderes Nachsorgekonzept.

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Strukturierte Nachsorge

Deutschland ist in der Akutversorgung und der Rehabilitationsbehandlung von Schlaganfall-Patienten im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt. Es mangelt jedoch an einer strukturierten und qualitätsgesicherten Weiterversorgung: „Nach einem Schlaganfall drohen zahlreiche Komplikationen wie Depressionen und Angstzustände, kognitive Beeinträchtigungen oder Stürze. Damit die Gefahren rechtzeitig erkannt werden, benötigen Patienten auch nach der Reha eine umfassende Nachsorge“, sagt Professor Dr. med Armin Grau, 3. Vorsitzender der DSG. „Eine strukturierte Nachsorge ist auch notwendig, damit eine bestmögliche Versorgung mit Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie rechtzeitig in die Wege geleitet werden kann.“

Behandlungen koordinieren

Die DSG plädiert deshalb für eine sektor- und berufsgruppenübergreifende Weiterversorgung: „Um eine strukturierte Nachsorge zu ermöglichen, sollte ein regionales Schlaganfallnetzwerk mit einem Schlaganfallfallkoordinator – einem Facharzt für Neurologie – und einer spezialisierten Pflegekraft, der ‚stroke nurse‘, zum Einsatz kommen“, meint Grau. Wichtig sei dabei, dass eine enge Kommunikation und Koordination zwischen allen Ärzten und Therapeuten erfolgt. Zudem sollten Patienten und Angehörige über das Krankheitsbild informiert und aufgeklärt und bezüglich präventiver Maßnahmen motiviert werden. Nach Ansicht des Schlaganfall-Experten sind weitere Elemente in einem solchen regionalen Schlaganfallnetzwerk wichtig: „Ein Gesunderhaltungspass kann dabei helfen, die Behandlung von Patienten gezielt zu dokumentieren“, so Grau. „Durch regelmäßige Untersuchungen in der Klinik sowie beim Haus- und Facharzt können zudem Risikofaktoren und Folgeerkrankungen überprüft werden.“ (red)