Alters- und Palliativmedizin

Frühtest zeigt das Alzheimer-Risiko

Die Krankheit des Vergessens lässt sich hinauszögern, wenn man sie rechtzeitig erkennt. Ein neuer Bluttest könnte ein wichtiger Schritt dahin sein.

29.08.2018
Mit einem Bluttest schon früh Klarheit bekommen.  Foto: Fotolia / StudioLaMagica Mit einem Bluttest schon früh Klarheit bekommen. Foto: Fotolia / StudioLaMagica

Bis heute gibt es keine wirksame Therapie gegen die Alzheimer-Demenz. Das liegt nach Meinung vieler Experten vor allem daran, dass die Krankheit erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird, wenn die charakteristischen Symptome wie Vergesslichkeit vorliegen. Die zugrunde liegenden Gehirnschädigungen sind dann aber bereits weit fortgeschritten und irreversibel.

Anzeige

Frühere Behandlung möglich

Ein neu entwickelter Bluttest kann im Mittel acht Jahre vor der klinischen Diagnose auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen. Dies zeigten Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Krebsregisters Saarland mit einer großen populationsbezogenen Kohortenstudie aus dem Saarland. „Unser einfacher und kostengünstiger Bluttest kann die Erkrankung bereits in einem noch symptomlosen Stadium aufspüren und Personen identifizieren, die ein besonders hohes Risiko haben, Alzheimer zu entwickeln“, sagt Prof. Dr. Klaus Gerwert, Koordinator des Forschungskonsortiums „PURE“ an der RUB. „Möglicherweise können Medikamente, die derzeit in klinischen Studien erprobt werden, das Fortschreiten der Krankheit aufhalten, wenn sie in diesem frühen Stadium angewandt würden“, ergänzt Prof. Dr. Hermann Brenner, der im DKFZ die Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung leitet. Auch die Entwicklung neuartiger Therapieansätze wird nach Meinung der Experten von diesem frühzeitigen Bluttest enorm profitieren.

Günstiges Screening

Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es zu einer Fehlfaltung des Amyloid-Proteins, die bereits 15 bis 20 Jahre vor Auftreten der ersten Symptome beginnt. Die fehlgefalteten Proteine verklumpen und lagern sich als Amyloid-Plaques im Gehirn ab. Der Bluttest kann nachweisen, ob das Gehirn mit diesen Plaques belastet ist oder nicht.
In 70 Prozent der Fälle identifizierte der Bluttest diejenigen Personen, bei denen sich später tatsächlich eine Alzheimer-Demenz entwickelte. Bei neun Prozent lieferte der Test „falsch-positiv“ Ergebnisse, bei denen die Teilnehmer gesund blieben.
Deshalb sei der Test noch nicht zur alleinigen Frühdiagnose von Alzheimer geeignet, so Prof. Gerwert. „Aber er eröffnet die Möglichkeit, in einem kostengünstigen und minimal-invasiven Screening Personen herauszufiltern, die sich dann einer weiterführenden teuren und invasiven Diagnose unterziehen sollten, die ein falsch-positives Ergebnis ausschließen kann.“ (red)