Alters- und Palliativmedizin

Diabetisches Fußsyndrom – ein Notfall!

Hoher Blutzucker tut nicht weh. Trotzdem sollte man ihn ernst nehmen, sonst drohen gefährliche Langzeitschäden.

30.11.2017
Diabetiker sollt en ihre  Füße regelmäßig kontrollieren lassen.  Foto: Adobe Stock / Alexander Raths

Es beginnt mit unangenehmem Kribbeln, geht über in ein pelziges Gefühl an den Fußsohlen und kann sogar zu schmerzhaften Nekrosen bis hin zu einer Amputation führen. Das Diabetische Fußsyndrom ist eine diabetesspezifische Nervenstörung und eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus, die man nicht unterschätzen sollte. Schuld daran ist ein jahrelang zu hoher bzw. schlecht eingestellter Blutzucker. Betroffen davon sind Diabetiker, die es nicht schaffen, ihre Werte dauerhaft mit Tabletten oder Insulin in den Normbereich zu bringen. Darüber hinaus entscheidet auch eine persönliche Veranlagung, ob jemand eher früher oder später unter dieser Neuropathie leidet. „Jeder vierte Diabetiker muss im Laufe seiner lebenslangen Erkrankung damit rechnen, vom Diabetischen Fußsyndrom betroffen zu sein“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW. Zunehmend leiden ältere Patienten daran. Gangunsicherheiten, Schwindelgefühle und Durchblutungsstörungen mit schlecht heilenden Wunden können die Folge sein.

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Frühe Diagnose wichtig

Oberstes Ziel ist der Erhalt der Gliedmaßen, um eine drohende Amputation von Zehen, Unter- oder Oberschenkel zu vermeiden. Daher ist es wichtig, den Ernst der Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen. „Grundsätzlich ist es ratsam, bei Menschen mit Diabetes jedes akute Fußproblem als Notfall zu behandeln“, rät Dr. med. Tania-Cristina Costea, Leitende Ärztin des Wundheilungszentrums im Diabeteszentrum. Allein den Heilungsprozess chronischer Wunden zu fördern und Extremitäten zu erhalten, reiche aber nicht aus. „Die gezielte Diagnose sollte die Gefäße und mögliche Polyneuropathien einschließen und vor allem auch die Blutzuckereinstellung überprüfen.“ Um das Diabetische Fußsyndrom erfolgreich zu behandeln, müssen Ärzte, Podologen, Wundassistenten, Orthopädieschuhmacher/-techniker, Pflegekräfte und Diabetesberater interdisziplinär zusammenarbeiten.

Wundheilung fördern

Zur Förderung der Wundheilung werden Therapien mit Eigenblut oder Maden durchgeführt. Auch innovative Verfahren wie Kaltplasma oder Fischhaut werden erprobt. Ein spezielles Augenmerk gilt der Behandlung des Charcot-Fußes, bei dem es nach unbemerkten Verstauchungen oder Knochenbrüchen aufgrund fehlender Schmerzsensibilität zu Gelenkdeformitäten des Fußes kommen kann. Die Druckentlastung und Ruhigstellung der betroffenen Regionen hat dabei oberste Priorität.
„Das Diabetische Fußsyndrom ist heute einer der wichtigsten Gründe für Amputationen“, betont Prof. Tschöpe. „Viele davon könnten bei rechtzeitiger Diagnostik und Therapie verhindert werden.“ (red)