Alternative Heilmethoden

Reizdarm durch Hypnose heilen?

Der Darm ist leicht reizbar und sehr nachtragend. Vielleicht weil das Organ nicht nur Nahrung, sondern auch Gefühle verdauen muss. Wem Stress und Sorgen zusetzen, könnte von einer Darmhypnose profitieren.

11.04.2018
Mit Hypnose das Unterbewusstsein erreichen.   Foto: AdobeStock / WavebreakmediaMicro

Krampfartige Bauschmerzen, anhaltende Verstopfung, wiederkehrende Blähungen oder häufiger Durchfall – 75 Millionen Europäer leiden unter dem Reizdarmsyndrom (RDS), oft ohne es zu wissen. Oft vergehen Jahre mit vielen Arztbesuchen und Therapien, bis die Diagnose RDS gefunden ist. Bis zu einem Drittel der RDS-Erkrankungen könnten eine Folge von Nahrungsmittelvergiftungen oder Infektionen des Magen-Darm-Traktes sein. Viele Menschen mit Reizdarm berichten, dass bestimmte Nahrungsmittel ihre Symptome verschlimmern. Betroffene sollten deshalb besonders auf ihre Ernährung achten und ein Tagebuch über die einzelnen Mahlzeiten führen.
Auch unlösliche Ballaststoffe (zum Beispiel Weizenkleie) stehen im Ruf, eine der Ursachen zu sein, während lösliche Ballaststoffe, wie man sie in Haferkleie und Akazienfasern findet, die Symptome bei manchen Patienten abzuschwächen scheinen.

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Stress durch Trance ausschalten

Nicht wenige Patienten aber reagieren bei Stress und Ängsten mit einem Reizdarm-Syndrom. Denn die Reaktionen des Darms hängen eng mit Gedanken und Gefühlen zusammen. Man spricht deshalb sogar von einem „Darmhirn“, das durch Entspannungstechniken beruhigt werden kann. Doch anders als bei einer Meditation oder einem autogenen Training kann man mit einer echten Darmhypnose noch einmal mehr erreichen. „Eine Darmhypnose ist prinzipiell eine echte Hypnose. Dabei werden gezielt das Darmhirn und die Darm-Hirn-Achse angesprochen“, sagt Prof. Dr. med. Martin Storr Gastroenterologe im Internistenzentrum MVZ Gauting-Starnberg gegenüber der Zeitschrift „MMW – Fortschritte der Medizin“. Entspannende Botschaften werden so besser im Unterbewusstsein verankert. Die Erfolgsraten sind hoch. Gerade bei Patienten, die nicht auf Medikamente ansprechen, zeige die Therapie bei rund 80 Prozent der Teilnehmer einer Studie positive Effekte, so Storr. Nur bei Patienten mit inneren Widerständen mache die Darmhypnose wenig Sinn.

Eigenverantwortung stärken

„Die Darmhypnose kann durch einen Therapeuten oder in der Selbstanwendung durchgeführt werden“, so der Experte. „Die Anzahl der empfohlenen Anwendungen schwankt und reicht von dreimal pro Woche bis zu täglich.“ Auch Yoga zeige bei RDS in Studien gute Erfolge. Storr: „Reizdarmpatienten profitieren von Maßnahmen, die die Eigeninitiative und die Übernahme von Eigenverantwortung stärken.“ Das reiche von der Ernährungsumstellung, über körperliche Betätigung bis hin zu Sorge für mehr Entspannung.
Ob es sich tatsächlich um ein Reizdarmsyndrom handelt und keine andere Erkrankung, wie etwa Darmkrebs oder eine Nahrungsunverträglichkeit, können diagnostische Mittel wie ein Bluttest, eine Ultraschall-Untersuchung oder eine Darmspiegelung und Tests zeigen. (red)

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