Alternative Heilmethoden

Lippenherpes natürlich stoppen

Manche Dinge sind kein Drama, aber lästig. Schmerzende Bläschen an Lippe zum Beispiel. In einem Interview erklärt die Frau Dr. Andrea Flemmer, warum Herpesviren immer wieder auf den Plan treten und welche Mittel Mutter Natur kennt, um sie in Schach zu halten.

17.05.2017
In der Sonne mit schönen Lippen das ungestörte Liebesglück genießen.    Foto: fotolia_ALEX SEREBRYAKOV

Mit zunehmenden Sonnenstunden droht manchen Menschen, die immer wieder Lippenherpes bekommen, ein neuer Schub. Dann zeigen sich rund um den Mund oft schmerzhafte, juckende und nässende Bläschen. Kein schöner Anblick! Betroffene greifen dann meist zu Salben mit dem erprobten Wirkstoff Aciclovir. Er soll die Infektion eindämmen und so eine Ausbreitung der auslösenden Herpes simplex Viren (HSV) Typ 1 verhindern.
Das Problem: Viren haben eine clevere Überlebensstrategie und damit nehmen Resistenzen gegen den Wirkstoff immer mehr zu, sagt Frau Dr. Andrea Flemmer, promovierte Diplom-Biologin aus München. In ihrem gerade erschienenen Buch „Virus-Erkrankungen natürlich behandeln“ (VAK Verlags GmbH, Freiburg 2017, 16, 90 Euro) widmet sie auch ein Kapitel dem Lippenherpes und zeigt pflanzliche Mittel auf, die bei einer Infektion helfen können. Die Redaktion mein-medizinportal.de sprach mit ihr über die Hintergründe und alternative Behandlungsmethoden des Lippenherpes.

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Frage: Frau Dr. Flemmer, rund 90 Prozent der Erwachsenen tragen Antikörper gegen HSV Typ 1 im Erbgut, sind also schon einmal im Leben mit dem Virus in Berührung gekommen. Warum ruhen Viren bis zu einem erneuten Ausbruch im Körper?
Antwort: Weil sie Möglichkeiten suchen den Wirt massiv zu befallen. Dies ist am besten möglich, wenn er geschwächt ist. Viren können anders als Bakterien nicht alleine leben. Sie brauchen einen Wirt und sobald sie eine Wirtszelle gefunden und befallen haben, vermehren sie sich rasant. Sie können sich aber bis zu einem erneuten Ausbruch der Erkrankung in den Nervenknoten der Nervenzellen „verstecken“.
Frage: Warum bricht eine Infektion bei manchen Menschen regelmäßig aus und bei anderen Trägern des Virus nie?
Antwort: Das ist individuell verschieden und nicht klar zu beantworten. Das Immunsystem spielt dabei sicher eine Rolle.
Frage: Warum können psychischer Stress, Sonnenlicht oder Hormonveränderungen einen erneuten Ausbruch der Krankheit begünstigen?
Antwort: Zum Beispiel Hormone: Manche Frauen fühlen sich nicht gut, wenn sie ihre Tage bekommen und haben. Das bedeutet Stress für ihren Körper. Starke Sonneneinstrahlung wiederum schwächt spezielle Zellen an Nase und Lippen. Und da die Herpesviren dort offenbar die wenigsten Konkurrenten vorfinden, kommt es hier besonders häufig zu einem Infektionsausbruch.
Frage: Als pflanzliches Heilmittel Nummer eins empfehlen Sie standardisiertes Melissenblätterextrakt, also solches mit Arzneibuchqualität. Was hat die Melisse, was andere chemische Wirkstoffe nicht haben?
Antwort: Die Melisse vermag das Virenwachstum und damit die Ausbreitung der Infektion zu stoppen. Möglicherweise muß sich die Pflanze gegen ähnliche Erreger wehren und hat Abwehrstoffe dagegen gebildet. Dabei handelt es sich aber nicht um einen einzigen Stoff, gegen den die Viren schneller resistent werden können, sondern um ein ganzes Konglomerat von Wirkstoffen. Und das scheint bei den Herpesviren genau zu passen. Allerdings muss ich einschränken, dass das Melissenblätterextrakt nur helfen kann, wenn man die betreffenden Stellen in einem sehr frühen Stadium des Herpesausbruchs damit behandelt, also schon beim ersten Kribbeln oder dem ersten Juckreiz. Das gilt übrigens für fast alle pflanzlichen Mittel, wie etwa eine Sonnenhut-Salbe, eine Rhabarber-Salbeicreme oder australisches Teebaumöl.
Was wem am besten hilft, muss jeder selbst für sich herausfinden. Hier würde ich einfach zum Ausprobieren raten. Bei Herpes-Infektionen, die den ganzen Körper betreffen, wirken pflanzliche Heilmittel allerdings nicht. Auch ist Lippenherpes leider nicht heilbar, verschwindet aber möglicherweise. (red)

Frau Dr. Flemmer, vielen Dank für das Gespräch!

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