Allgemeine Medizin

Reiseimpfungen auch für Europa

In den Nachbarländern fühlt man sich sicher vor gefährlichen Infektionen. Doch weit gefehlt. Vor allem Hepatitis A und B sind hier ein großes Thema.

29.06.2018
Beim Thema Impfen ist Eigeninitiative gefragt.  Foto: Fotolia / Jean Paul CHASSENET Beim Thema Impfen ist Eigeninitiative gefragt. Foto: Fotolia / Jean Paul CHASSENET

Ob im Alpenvorland, in Andalusien oder auf den Balearen – ohne ausreichenden Impfschutz drohen selbst hier gefährliche Infektionskrankheiten. Doch meist gerät die reisemedizinische Vorbereitung über die Vorfreude auf den Urlaub ins Hintertreffen.
Wie man sich vor unliebsamen Urlaubssouvenirs schützen kann, das verrieten erfahrene Reisemediziner am 26. April am Lesertelefon, anlässlich der Europäischen Impfwoche der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein, Allgemeinarzt mit einer Praxis für Reise- und Tropenmedizin am Wörthsee bei München, äußerte sich dabei zu Hepatitis-Impfungen.

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Mein Hausarzt empfiehlt, dass ich mich vor dem Italienurlaub gegen Hepatitis A impfen lassen soll. Ist das wirklich sinnvoll?

Auf jeden Fall! Nach wie vor gehört der gesamte Mittelmeerraum zum Risikogebiet für eine Hepatitis A-Infektion. Das Virus kommt in verunreinigtem Trinkwasser und in kontaminierten Lebensmitteln vor. Salate, Obst, Eistee, Eiswürfel, Meeresfrüchte und Muscheln sind mögliche Ansteckungsquellen. Es verbreitet sich leicht und ruft eine akute Leberentzündung hervor, die bis zu drei Monate dauern kann. Da es schwierig ist, den Kontakt mit dem Virus sicher zu vermeiden, empfehlen wir bei Reisen in Risikogebiete eine Schutzimpfung.

Und wie sieht es mit dem Schutz vor Hepatitis B aus?

Anders als Hepatitis A-Viren werden die Hepatitis B-Viren über Blut und Schleimhäute übertragen. Ein großer Teil der Infektionen geht auf Intimkontakte, insbesondere in der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen zurück. In jüngerer Zeit gelten jedoch Tattoos als beliebtes Reisesouvenir, besonders bei jüngeren Reisenden. Verunreinigte Tätowierinstrumente sind eine mögliche Quelle für eine Hepatitis B-Infektion. Die Erkrankung führt bei etwa jedem zehnten Patienten zu einer chronischen Leberentzündung mit dem weiteren Risiko einer Leberzirrhose. Zudem ist das Risiko für Leberkrebs um den Faktor 100 höher als in der Normalbevölkerung. Einziger sicherer Schutz ist auch hier die Impfung, die als Kombi-Impfung gegen Hepatitis A und B möglich ist. Für Kinder gehört die Hepatitis B-Impfung übrigens seit 1995 zu den in Deutschland empfohlenen Standardimpfungen.(red)