Allgemeine Medizin

Neue Zeckenarten breiten sich aus

Der Klimawandel beschert uns nicht nur lange Sommer, sondern auch tropische Zeckenarten. Diese können gefährliche Erreger übertragen.

26.06.2019
Foto: AdobeStock / Carola Vahldiek Foto: AdobeStock / Carola Vahldiek

Der heiße, trockene Sommer 2018 ist unvergessen. Wenn diese Entwicklung auch in diesem und den kommenden Jahren so weitergeht, könnten sich in Deutschland tropische Zeckenarten der Gattung Hyalomma ausbreiten. Das jedenfalls schätzt ein Team von Zeckenforschern der Uni Hohenheim in Stuttgart und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) in München.

Anzeige

Hitze bietet perfektes Milieu

Die Wissenschaftler hatten im vergangenen Jahr an Pferden und Schafen sieben Exemplare dieser Art gefunden, die sich bei großer Hitze besonders wohlfühlen. Auch wenn die Anzahl der Tiere gering zu sein scheint, sind die Experten alarmiert. Denn wenn sich die Blutsauger hierzulande etablieren könnten, würde die Population dieser Zeckenart rasant steigen. Besonders heikel: Ein Exemplar trug das gefährliche Bakterium Rickettsia aeschlimannii in sich – ein bekannter Erreger des Zecken-Fleckfiebers. „Fünf der sieben Zecken haben wir zweifelsfrei bestimmen können, vier sind der Art Hyalomma marginatum und eine der Art Hyalomma rufipes zuzurechnen (…)“, erklärt Dr. Lidia Chitimia-Dobler, Zeckenexpertin am IMB.

Transport per Luftweg

Die im Vergleich mit dem Gemeinen Holzbock fünfmal größeren Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen waren in diesem Jahr im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau aufgetaucht, vermutlich über Zugvögel eingeschleppt. „Diese Zeckenarten könnten in Deutschland Einzug halten“, befürchtet Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. „Wir werden sie in diesem Jahr verstärkt im Auge behalten und bereiten uns darauf vor, ihr in den nächsten Monaten womöglich noch öfters zu begegnen.“
Denn ganz so überraschend ist diese Entwicklung für die Expertin nicht. „Wegen der Klimaerwärmung ist bei uns grundsätzlich mit immer mehr wärmeliebenden Zecken zu rechnen. Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum beispielsweise hat sich inzwischen bis Dänemark ausgebreitet.“

Überträger gefährlicher Krankheiten

Die große Frage sei nun bei den beiden Hyalomma-Arten, ob es sich noch um einzelne eingeschleppte Exemplare handelt oder ob sich die Arten hier etabliert haben. „Bei einer anderen Art, der ursprünglich in Afrika beheimateten Braunen Hundezecke Rhipicephalus sanguineus, sind Exemplare an Hunden gefunden worden, die ihren Hof nie verlassen hatten“, berichtet Prof. Dr. Mackenstedt. „Damit konnten sie kein unbeabsichtigtes Urlaubsmitbringsel sein – ein Hinweis darauf, dass sich die Art hier möglicherweise bereits entwickeln kann.“ Beide Hyalomma-Arten können das gefährliche Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber, das Arabische Hämorrhagische Fieber und eine Form des Zecken-Fleckfiebers übertragen und Nutztiere mit tropischen Erkrankungen anstecken. (red)