Allgemeine Medizin

Mit Bewegung gegen Schwindel

Schwindel ist immer verstörend und für Betroffene extrem belastend. Doch ernste Ursachen wie Hirntumore stecken selten dahinter. Meist handelt es sich um harmlosen Drehschwindel.

24.10.2017
Foto: fotolia_Robert_Kneschke

Wenn die Welt buchstäblich ins Wanken gerät, ist die Unsicherheit bei Betroffenen groß. Feste Haltepunkte für die Augen fehlen, die Trittsicherheit leidet. Nicht wenige Schwindel-Patienten haben deshalb ein hohes Fallrisiko. Hinzu können Übelkeit und Erbrechen kommen. So Geplagte wagen sich oft kaum noch aus dem Haus. Dabei ist Bewegung gerade bei Drehschwindel die beste Therapie. Denn die Neigung zum Fallen bei einer Gleichgewichtserkrankung (peripher-vestibuläre Störung) kann durch gezieltes körperliches Training deutlich reduziert werden.

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Die Funktion der Gleichgewichtsorgane

Für das Gleichgewicht des Menschen sind vier Systeme verantwortlich, die ständig Informationen über den Gleichgewichtszustand an das Gehirn senden: zwei Gleichgewichtsorgane im Innenohr, das visuelle System, das System der Körperwahrnehmung und das der Informationsverarbeitung. Fällt eins der Gleichgewichtsorgane im Innenohr durch einen Defekt aus, leidet der Patient unter Drehschwindel und Übelkeit sowie unter einer Fallneigung mit möglichen Stürzen. Ursache ist häufig ein Schaden im Innenohr bzw. im Labyrinth oder am Gleichgewichtsnerv. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) haben dafür eine besondere Behandlungsmethode entwickelt. „Bei einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans müssen die drei intakten Systeme idealerweise die Funktion des ausgefallenen Organs übernehmen“, sagt Dr. Andreas Lauenroth, der im Rahmen dieses Projekts zu dem Thema in Halle seine Doktorarbeit verfasste. Durch ein gezieltes, bewegungstherapeutisches Rehabilitationsprogramm können die drei intakten Systeme so sensibilisiert werden, dass der Patient die alte Standsicherheit zurückerlangt und seine Sturzgefahr damit abnimmt.

Intakte Systeme gezielt aktivieren

Für ihre Studie absolvierten Patienten in 15 Wochen unter Anleitung eines Sporttherapeuten 30 Trainingseinheiten zu je 30 Minuten, die in zwei Phasen unterteilt wurden. In der ersten Phase wurde auf einem Luftkissen trainiert, das unsichere Situationen simulieren und nicht betroffene Systeme stimulieren sollte. Im Anschluss wurden die Patienten in einem dreidimensionalen Rad, ähnlich einem Rhönrad, trainiert, um das Gleichgewichtsorgan zu reizen. Die Ergebnisse: Durch die Therapie regenerierten sich die erkrankten Gleichgewichtsorgane nicht. Die erzielte Standsicherheit und die Senkung der Sturzgefahr sind also auf ein verbessertes Verarbeiten von Informationen im Gehirn zurückzuführen, was man durch das Training erreichen konnte.

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