Allgemeine Medizin

Krebszellen kaltstellen

Ohne Energienachschub sterben selbst aggressive Tumorzellen ab. Ein Medikamenten-Cocktail kappt ihre Versorgungsleitung und kann damit das Risiko für Metastasen verringern.

23.04.2019
Foto: AdobeStock / Photographee.eu Foto: AdobeStock / Photographee.eu

Aus gesunden Körperzellen können kranke werden. Entweder weil sie von Anfang an fehlerhafte Erbinformationen enthalten oder diese Fehler bei der Zellteilung weitergeben.
Doch während gesunde Zellen mit Zellschäden „Selbstmord“ begehen, teilen sich die Krebszellen schnell und unkontrolliert, gehen also ohne spezielle Wachstumssignale und ohne Begrenzung auf Wanderschaft und bilden an Stellen fernab ihres Gewebsverbands neue Herde – Metastasen.
Wissenschaftler vom Biozentrum der Universität Basel haben einen neuen Ansatzpunkt gefunden, die Krebszellen zu bekämpfen: Sie drehen ihnen einfach den Saft ab. Eine Kombination aus dem Blutdrucksenker Syrosingopin und dem Diabetes-Medikament Metformin kappt die Energieversorgung der Krebszellen und tötet sie ab. Der Energiemangel treibt die Krebszellen in den Selbstmord.
Der Hintergrund: Krebszellen haben aufgrund ihres gesteigerten Stoffwechsels und schnellen Wachstums einen besonders hohen Energiebedarf. Das Molekül NAD spielt eine zentrale Rolle bei der Umwandlung von Nährstoffen in Energie. „Interessanterweise verhindern sowohl Metformin als auch Syrosingopin die Regeneration von NAD+ (…)“, erklärt Dr. Don Gary Benjamin von der Universität Basel. Syrosingopin schaltet die beiden wichtigsten Transporter aus und verhindern so den Export von Laktat aus der Zelle – dem wichtigsten Energielieferant für die Tumorzellen. „Eine hohe Laktatkonzentration in der Zelle wiederum stoppt das Recycling von NAD+“, so Benjamin. Dass Syrosingopin die beiden wichtigsten Laktat-Transporter blockiert, ist deshalb eine so wichtige Entdeckung, da es für den einen der beiden Transporter (MCT4) derzeit noch keinen geeigneten Hemmstoff gibt. (red)

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