Allgemeine Medizin

Hepatitis E auf dem Vormarsch

Das bislang eher seltene Virus breitet sich weiter aus. Es versteckt sich in rohem Wild- und Schweinefleisch und kann eine Leberentzündung auslösen. Gefährlich ist der Verzehr vor allem für Schwangere und Immungeschwächte.

09.03.2018
Sogar eine Leberzyrrhose kann sich entwickeln.   Foto: Fotolia / bluebay2014

Hepatitis A, B und C sind die häufigsten Formen einer Leberentzündung (Hepatitis). Doch auch der weniger bekannte Typ E (HEV) holt auf. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin meldet, hat sich die Fallzahl (von 1991) in 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 58 Prozent mehr als verdoppelt. „Vermutlich auch deshalb, da Hepatitis E neuerdings mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird“, sagt Prof. Dr. Christian Strassburg, Direktor der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Bonn.
Auf der anderen Seite infizieren sich deutschlandweit schätzungsweise pro Jahr etwa 300.000 Menschen mit HEV: „Die Dunkelziffer ist hoch, da die Krankheit meist ohne Symptome und somit unbemerkt verläuft.“

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Häufig unterschätzt

Eine Möglichkeit sich anzustecken, ist der Verzehr von rohem oder nicht durchgegartem Wild- und Schweinefleisch. „Da diese Infektion in der Regel harmlos verläuft, wird das gesundheitliche Risiko durch das Hepatitis E-Virus (HEV) bislang unterschätzt“, warnt der Gastroenterologe. Denn bei Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem kann die Leberentzündung einen chronischen Verlauf bis hin zu einer Zirrhose nehmen. Bei Schwangeren besteht sogar das Risiko eines akuten, lebensgefährlichen Leberversagens. In beiden Fällen hilft oft nur noch eine Lebertransplantation. Aufpassen sollten auch Menschen mit einer bereits existierenden chronischen Lebererkrankung sowie HIV/Aids-, Krebs- und Dialysepatienten, an Rheuma Erkrankte und Organtransplantierte.
Unerkannt und unbehandelt kann die Hepatitis E bei diesen Risikogruppen einen chronischen Verlauf nehmen. „Bei chronischen Leberentzündungen sollten Ärzte deshalb immer auch an Hepatitis E denken“, rät Prof. Strassburg. Zwar gäbe es noch keine Leitlinien für eine Therapie, doch ist die Erkrankung behandelbar.

Gefahrenquelle rohes Fleisch

Schwangere und andere gefährdete Personen sollten generell den Verzehr von rohem oder unzureichend gekochtem Fleisch oder Innereien von Wild- und Schweinefleisch vermeiden. Denn 84 Prozent der Infektionen stammen aus Deutschland und sind nicht durch Reisen mitgebracht worden. Vorsicht ist auch bei kurz gereiften Rohwürsten sowie bei Wurstarten mit roher Schweineleber geboten.
Da das HEV bei 70 Grad inaktiv wird, sind gut durchgegarte Fleischprodukte in der Regel unbedenklich. Andere Ansteckungs-Quellen sind Bluttransfusionen, verunreinigtes Wasser und Fäkalien.
Reisende in Risikogebieten in Asien und Afrika sollten beispielsweise nur abgekochtes Wasser trinken und dieses auch zum Zähneputzen verwenden. (red)