Allgemeine Medizin

Fokussierte Strahlentherapie hält Krebs auf

Nach einer nötigen Krebs-OP im Gehirn wird häufig auch gesundes Gewebe mit bestrahlt. Eine stereotaktische Radiotherapie kann das umgehen und so Schäden minimieren.

15.10.2017
Wo genau der Tumor sitzt, klären bildgebende Verfahren.  Foto: F otolia_sudok1

Metastasen im Gehirn! Diese Diagnose ist für die meisten ein Schock. Denn gerade dann, wenn sie die ursprüngliche Krebserkrankung überwunden glaubten, tauchen die Krebsherde im Kopf wieder auf. Vor allem Lungenkrebs, Brustkrebs und der besonders bösartige schwarze Hautkrebs bilden dort häufig Tochtergeschwulste. Einzelne dieser Metastasen können zwar chirurgisch entfernt werden. „Mit der Operation allein wird jedoch selten eine dauerhafte lokale Tumorkontrolle erzielt“, weiß Prof. Stephanie E. Combs, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum der Technischen Universität München (TUM) und Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Zum Therapiestandard gehöre deshalb eine anschließende Radiotherapie.

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Punktgenaue Bestrahlung

Die derzeit übliche Ganzhirnbestrahlung hat jedoch Nebenwirkungen. Dazu gehören Haarverlust, Abgeschlagenheit, Gedächtnisstörungen und Einschränkungen der Denk- und Wahrnehmungsleistung. Prof. Combs: „Viele Patienten schrecken deshalb vor einer Strahlentherapie zurück, obwohl diese den Tumor nachweislich für viele Monate zurückdrängen kann.“
Doch es gibt eine schonende Alternative für die lokalisierte, hochdosierte Strahlentherapie, zum Beispiel die „stereotaktische Radiotherapie“. Dabei bestrahlt ein Spezialgerät punktgenau die Operationshöhle, nachdem die Metastasen entfernt wurden. Dieser Punkt wird zuvor mithilfe präziser, hochauflösender Bildgebung, z. B. mit einer Magnetresonanztomographie, bestimmt. „Diese Behandlung ist ganz fokussiert auf die ehemalige Metastasenregion“, erläutert Professor Combs. „Kognitive Störungen werden weitgehend vermieden.“ Dafür seien nur wenige Behandlungstage erforderlich, in vielen Fällen sogar ohne einen Krankenhausaufenthalt.

Lebensqualität steigt

Das gelte laut aktueller Studien vor allem für kleine Hirnmetastasen (mit einer Größe von ≤4 cm). Hier wären 91 Prozent nach einem Jahr noch ohne Rückfall gewesen, so Combs. Zwar hätte diese Maßnahme keinen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit, doch die Lebensqualität sei um ein Vielfaches besser.
So zeigte sich in einer randomisierten und kontrollierten Multicenter-Studie, an der 48 Institutionen und insgesamt 194 Patienten aus den USA und Kanada teilnahmen Folgendes: Die Patienten, die mit einer stereotaktischen Radiochirurgie behandelt wurden, litten nach sechs Monaten weniger häufig unter kognitiven Einschränkungen als die Patienten mit einer Ganzhirnbestrahlung (52 Prozent im Vergleich zu 85 Prozent).
Die gezielte stereotaktische Bestrahlung kann daher als Alternative zur Ganzhirnbestrahlung angeboten werden, so die DEGRO-Expertin. (red)