Allgemeine Medizin

Divertikulitis: Beschwerden ernst nehmen!

Die Entzündung kann abklingen, aber auch schwere Komplikationen nach sich ziehen. Wer bereits Divertikel hat, sollte deshalb auf der Hut sein!

10.01.2018
Gefährlich werden Divertikel erst dann, wenn sie sich entzünden und reißen.   Foto: Fotolia / gpointstudio

Beschwerden im Unterbauch, vor allem auf der linken Seite, sowie Begleitsymptome wie Blähungen, Verstopfung, Durchfall oder Fieber – das könnte eine Divertikulitis sein. Dabei handelt es sich um eine Entzündung von Ausstülpungen an der Darmwand, den sogenannten Divertikeln. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt oder verläuft sie kompliziert, kann es etwa zu einem Abszess im Bauchraum und einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung kommen.

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Schon Jüngere betroffen

Mehr als 60 Prozent der über 70-Jährigen haben bereits eine Divertikulitis. Zunehmend sind aber auch junge Menschen betroffen. Bei unter 40-Jährigen sollten Ärzte daher bei Unterbauchbeschwerden ebenfalls an eine Divertikelkrankheit denken. Denn Experten beobachten in den letzten Jahren eine Zunahme der angeblichen Alterserkrankung bei jungen Menschen.
Laut einer US-Analyse, die einen Zeitraum von 2002 bis 2007 auswertete, war fast ein Drittel der Divertikulitis-Patienten jünger als 50 Jahre alt.
Als Grund für die Zunahme sehen die Forscher die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten in den modernen Industriegesellschaften: Zu wenig Ballaststoffe, zu viel rotes Fleisch, keine ausreichende Bewegung, Tabak- und Alkoholkonsum. Um eine Erkrankung zu vermeiden, müsse deshalb in erster Linie beim Lebensstil und der Ernährung angesetzt werden, so die Experten.

Wann zur Operation?

Eine leichte und einmalige Entzündung heilt oft von alleine aus. Doch auch bei chronischen Verläufen muss nicht sofort operiert werden. Die Zahl der Schübe allein sei kein wichtigstes Kriterium für einen chirurgischen Eingriff mehr, sagt Prof. Dr. med. Christoph-Thomas Germer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Universitätsklinik Würzburg. Vielmehr müsse der behandelnde Arzt in jedem Einzelfall darüber entscheiden.
Anders sieht es bei einer komplizierten Divertikulitis aus. Dabei öffnen sich die Divertikel in den Bauchraum. Abszesse (mit Eiter gefüllte Räume) und Fisteln – Verbindungsgänge zu anderen Organen – können sich bilden. Im schlimmsten Fall drohen eine Bauchfellentzündung mit einer Blutvergiftung und Organversagen – und damit ein lebensbedrohlicher Zustand.
Deshalb empfehlen die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen hier eine Operation. Dabei wird der Darmabschnitt mit den meisten Divertikeln in einer entzündungsfreien Phase entfernt.
Starke Schmerzen im unteren Bauchraum, Fieber und hohe Entzündungswerte trotz erfolgter intravenöser Antibiotikatherapie sprechen für einen akuten Notfall, bei dem aber heutzutage meist minimalinvasiv operiert werden kann.(red)