Allgemeine Medizin

Diabetische Nephropathie früher stoppen

Nierenschäden als Folge einer Diabetes-Erkrankung sind nicht selten und nur schwer zu behandeln.
Eine neue Kombi-Therapie macht Hoffnung.

21.01.2018
Auch eine gute Blutzuckereinstellung, wie etwa mit Insulin, kann Folgeschäden verhindern.   Foto: Fotolia / Dan Race

Diabetes hat viele Folgeerkrankungen. Eine davon ist die diabetische Nephropathie. Dabei handelt es sich um eine progressive Nierenerkrankung, die für mehr als 40 Prozent der neu diagnostizierten Nierenerkrankungen im Endstadium weltweit verantwortlich ist. Sie verursacht hohe sozioökonomische Kosten und gilt als Hauptursache von Krankheits- und Todesursachen bei Menschen mit Diabetes. Das Problem: Hat sie sich erst einmal manifestiert, können derzeitige Therapien weder ein Fortschreiten noch eine Heilung der Nieren herbeiführen. Im Idealfall können die vorhandenen Therapien die Verschlimmerung der Erkrankung verlangsamen.

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Kombi-Therapie erfolgreicher

In ihrer jüngst veröffentlichten Studie konnten die Erstautoren Moh’d Mohanad Al-Dabet und Andi Marquardt den nierenschützenden Effekt eines bereits seit Jahren etablierten Arzneimittels beweisen: der Tauroursodeoxycholsäure (TUDCA). TUDCA wird seit Jahrzehnten für die Behandlung und zur Vorbeugung von Gallensteinleiden eingesetzt und von Patienten gut vertragen.
In den letzten Jahren wurden die Effekte der Gallensäure intensiv erforscht. Dabei stellte sich heraus, dass TUDCA die Funktion und Überlebensdauer menschlicher Zellen verbessert. Die Autoren konnten zuerst zeigen, dass TUDCA die Schäden der diabetischen Nephropathie lindert und teilweise zu einer Regeneration des Nierengewebes führen kann.
Dass die Säure auch einen zusätzlichen therapeutischen Nutzen im Vergleich zur derzeitigen Standardtherapie, der Inhibition des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS-Inhibition), hat, war bis jetzt allerdings nicht bekannt.
In der aktuellen Studie konnten die Autoren eine deutliche Überlegenheit einer Kombinationstherapie (RAAS-Inhibition + TUDCA) verglichen zur alleinigen Therapie mit RAAS-Inhibition nachweisen. Und das gleich in mehreren experimentellen Modellen der diabetischen Nephropathie.

Gute Verträglichkeit

„Derzeit gibt es keine etablierte Therapie, die einen zusätzlichen Nutzen zur RAAS-Inhibition bereitstellt“, sagt der Leiter der Studie und Direktor des IKCP, Prof. Dr. med. Berend Isermann. „TUDCA wird bereits seit Jahrzehnten eingesetzt und zeigt eine gute Verträglichkeit bei verschiedensten Patienten. Infolgedessen ist es gut möglich, dass TUDCA eine zusätzliche Therapiemöglichkeit bei der diabetischen Nephropathie darstellt.
„TUDCA verbesserte die Nierenfunktion nicht nur in experimentellen Modellen des Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM), sondern ebenfalls in Modellen des Typ-1-Diabetes mellitus (T1DM)“, so Moh’d Mohanad Al-Dabet und Andi Marquardt. Sie soll sogar in der Lage sein, frühe Schäden der diabetischen Nephropathie wieder vollständig rückgängig zu machen. (red)